Rosie sprang aus dem Bett. Heute war ihr Geburtstag – und Mausi und Mini-Wurz hatten ein ganz besonderes Geschenk angekündigt. In den Tagen davor hatten sie zu dritt unermüdlich geschuftet: Mini-Wurz schleppte Tische und Bänke, Mausi zauberte köstliche Kuchen und pikante Häppchen, und Rosie… hatte sich beim Dekorieren ein klein wenig gehen lassen.
In der Teelaube angekommen, hielten ihr die beiden feierlich einen kleinen Flyer hin. „Die spielen heute Abend – hier bei uns!“, sagte Mini-Wurz stolz. Rosie quietschte vergnügt. Die Lily-Pads! Ihre Lieblingsband! Jetzt verstand sie auch, warum die Feier unbedingt am Seerosenteich stattfinden musste – die fünf Frösche spielten schließlich ausschließlich auf Seerosenblättern.
Ein paar letzte Handgriffe – und schon trudelten die ersten Gäste ein. Es kamen: Herr Moosbart, der Gnom aus dem Moos-See, Frau Blütenstaub, eine ältere Schmetterlingsdame aus dem Blütenhain, Krümel und Krabbel, die Käferkinder aus dem Blumenbeet, Herr Dippel, ein älterer Regenwurm aus den Teichlanden und viele, viele mehr.
Dann kroch ein Trupp Nacktschnecken langsam heran – schnaufend, schleimend, mit ernster Miene. Sie überreichten Rosie ein in Blätter gewickeltes Geschenk, das verdächtig glibberig glänzte.
„Ähm… stellt es doch bitte einfach auf den Geschenketisch. Oder… vielleicht besser… drunter?“, sagte Rosie mit tapferem Lächeln.
Auch Dr. Alva, die Elster, war gekommen – elegant wie immer, mit seidig glänzendem Gefieder und einer etwas übertrieben würdevollen Haltung. Als Geschenk überreichte sie Rosie eine kunstvoll verzierte silberne Kugel, eingefasst mit feinen Kristallsplittern aus den Kristallhügeln. Im Dunkeln, erklärte sie, beginne sie sanft zu schimmern – wie Mondlicht auf Tau.
„Für deinen Rosengarten, mein Kind – ein Hauch von Glanz für romatische Stunden.“ Rosie war entzückt. „Oh, wie wunderschön… sie leuchtet ganz zart. Danke, Dr. Alva!“
Mini-Wurz murmelte hinter vorgehaltener Hand: „Romantisch, pff… Hauptsache, keiner stolpert drüber beim Unkrautjäten.“
Als nächstes kamen die 17 Ameisen vom Tauschhügel, jede mit einem kleinen Geschenk in der Hand, das sie der Reihe nach überreichten.
„Danke, Fred!“ – Die Ameise zeigt auf eine andere Ameise: „Das ist Fred.“ – „Oh! Entschuldige, Ted!“ – „Ich bin Red.“
Rosie lachte verlegen und versuchte, sich alle Namen zu merken – was bei siebzehn fast identisch aussehenden Ameisen gar nicht so einfach war.
Gerade als sie ein weiteres Dankeschön an „Ned?… Red?“ murmelte, flatterte es plötzlich über ihren Kopf.
Mit feierlicher Miene trat Frau Gundula Archivaria, die Bibliotheks-Eule, vor. In ihren Krallen balancierte sie ein sorgfältig verschnürtes, glänzendes Päckchen. „Für dich, meine Liebe“, sagte sie würdevoll. „Eine kleine Sammlung aus meiner Feder – ich hoffe, sie inspiriert.“
Rosie löste das Band und zog die Bücher hervor.
„Oh… die Junge-Dame-Trilogie… Wie reizend. ‚1000 Dinge, die eine junge Dame von Welt können sollte‘, ‚Wie man sich einen Prinzen angelt – Mit Anstand, Anmut und Silberbesteck‘… und ‚Charmant, sittsam, zauberhaft – Ein Ratgeber für die zauberhafte Lebensführung‘.“
Sie verbeugte sich höflich. „Vielen, vielen Dank, liebe Frau Archivaria. Wirklich… bezaubernd.“ Hinter ihr verschluckte Mini-Wurz einen Lachanfall in einem dramatischen Husten und murmelte: „Ich… Wasser… gleich zurück…“ – und verschwand hastig Richtung Teetisch…
Fortsetzung folgt…