Der Sommer lag warm über dem Zaubergarten. Zwischen den Beeten summte es, die Funkien wiegten sich träge im Wind und selbst Mini-Wurz war einigermaßen zufrieden mit der Welt.
„Heute wird ein ruhiger Tag“, murmelte er und stellte seine Gießkanne neben das Kräuterbeet.
In genau diesem Moment ertönte aus der Ferne ein tiefes, gemütliches:
„Brrrrrrrrummmmmm!“
Rosie hob sofort den Kopf und lächelte.
„Oh! Das klingt nach Brumma!“
Mausi strich sich ihre Schürze glatt.
„Brumma Summ? Die haben wir ja ewig nicht gesehen!“
Nur Mini-Wurz verzog bereits das Gesicht.
„Na toll“, brummte er. „Dann krieg ich gleich wieder irgendein seltenes Problemkraut aufgeschwatzt. Ich erinnere mich noch gut an die Springzwiebeln vom letzten Jahr.“
Kurz flog sie über dem Gartenweg.
Brumma Summ – rundlich, flauschig und schwer beladen wie immer. Das rote Blumentuch saß leicht schief um ihren Hals. Der große Rucksack auf ihrem Rücken war so vollgestopft, dass einzelne Blütenstände oben herausragten.
Sie landete direkt vor den dreien.
WUMMS.
Der Gartenweg bebte leicht.
„Hallo ihr Lieben!“, summte Brumma fröhlich. „Ach, wie schön, euch wiederzusehen!“
Rosie flog sofort zu ihr und umarmte sie.
Mausi nahm ihr direkt das Körbchen ab.
Nur Mini-Wurz blieb vorsichtig auf Abstand.
„Was hast du diesmal dabei?“
Brumma strahlte.
„Samen! Wunderbare Samen! Seltene Samen! Vergessene Samen!“
Mini-Wurz dagegen verschränkte vorsichtshalber die Arme.
„Ich sag’s gleich: Keine Springzwiebeln mehr.“
Brumma sah ehrlich betroffen aus.
„Die waren doch wunderbar.“
„Wunderbar?!“ Mini-Wurz zeigte empört Richtung Kompost. „Ich habe letzten Herbst stundenlang hüpfende Zwiebeln eingefangen!“
„Ja“, nickte Brumma friedlich. „Manche Pflanzen sind unbequem, aber trotzdem wichtig für die Artenvielfalt.“
Dann begann sie begeistert, Samentütchen auszupacken.
„Plappererbse!“
„Nein.“
„Rumpelrübe!“
„Nein.“
„Schlummerblume?“
„Auf gar keinen Fall.“
Brumma schmunzelte.
„Ach Mini-Wurz… man muss auch ungewöhnlichen Pflanzen eine Chance geben.“
„Nicht, wenn sie sprechen, hüpfen oder explodieren.“
Gerade wollte Brumma erneut widersprechen, da erklang plötzlich eine quengelnde Stimme aus einem der Samentütchen.
„Könnt ihr bitte mal von mir runterrollen?!“
„Wohin denn?“
„Hier drin ist einfach kein Platz!“
„… und auch kaum Luft!“
„Ich fühle mich ganz schrumpelig!“
Mini-Wurz erstarrte langsam.
Rosie bekam sofort einen Lachanfall.
Mausi hielt sich die Pfoten vor den Mund.
Brumma lächelte verlegen.
„Äh… die Plappererbsen.“
Die Tüte begann zu zappeln.
Mini-Wurz trat einen Schritt zurück.
„Nein.“
„Aber sie sind wirklich selten.“
„NEIN.“
Brumma seufzte tief. Dann zog sie plötzlich ein kleines Töpfchen aus ihrem Rucksack hervor.
Darin saß ein wunderschöner Sempervivum-Ableger mit dunkelroten Blattspitzen.
Mini-Wurz’ Augen wurden sofort groß.
„Was ist DAS denn?“
Brumma lächelte schlau.
„Eine alte Sorte aus meiner Sammlung. Sehr selten. Sehr robust. Und eigentlich wollte ich sie dir schenken.“
Mini-Wurz streckte bereits die Hände danach aus.
Doch Brumma zog den Topf wieder zurück.
„Als Aufwandsentschädigung… Aber nur, wenn du auch die Plappererbsen aussäst.“
„Das ist Erpressung.“
„Artenschutz“, korrigierte Brumma freundlich.
In der Tüte begann es wieder zu meckern.
„Mir wird schlecht!“
„ICH LIEGE IMMER NOCH UNTEN!“
Mini-Wurz blickte erst auf den Sempervivum-Ableger… dann auf die zappelnde Tüte.
Er seufzte schwer.
„Na schön. Aber nur ein kleines Beet.“
Sofort jubelte es in der Tüte.
„WIR WERDEN GEPFLANZT!“
„ENDLICH FRISCHE LUFT!“
„UND WASSER!“
„ICH WILL EINEN SONNIGEN PLATZ!“
Mini-Wurz stöhnte.
„Ich bereue diese Entscheidung jetzt schon.“
Brumma summte zufrieden.
„Das sagen am Anfang immer alle.“