Ein leises „Tooot!“ kündigte Emmas Ankunft an. Die Postschnecke glitt gemächlich den Kiesweg entlang, die kleine Ledertasche schaukelte um ihren Hals. Mini-Wurz stand schon am Gartentor und verschränkte die Arme. „Bestimmt wieder Werbung für Glitzerstaub“, brummte er. Mausi stellte den Kräutertee bereit, während Rosie aus dem Baumhaus herabflog und neugierig die Flügel schüttelte.
Schnaufend blieb Emma vor den Dreien stehen und öffnete ruhig ihre Tasche. „Sonderzustellung! Zwei Briefe“, sagte sie und übergab sie Mini-Wurz, bevor sie die Tröte in ihrer Tasche verstaute.
Emma überlegte kurz, dann kramte sie noch einmal in ihrer Tasche. „Fast hätte ich’s vergessen – eine neue Marke aus meiner Kollektion.“
Rosie beugte sich begeistert vor. „Oh, wie hübsch! Die glitzert ja im Licht!“ Mausi nickte anerkennend.
Mini-Wurz räusperte sich – und ließ die Marke unauffällig in seiner Tasche verschwinden.
Die vier gingen zur Gartenlaube, Mausi goss Tee ein, Rosie zupfte sich ein Blatt aus ihrem Flügel, und Mini-Wurz schielte bereits skeptisch zu den Umschlägen. Einer der Umschläge trug das Wappen des Rosenkäfer-Sportkomitees. Mini-Wurz öffnete ihn vorsichtig, und die drei beugten sich darüber und lasen:
„Sehr geehrte Sportfreunde,
leider muss das diesjährige Sportfest entfallen.
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Gründe:
1.Der Tausendfüßler hat sich acht Beine gebrochen.
2.Die Schnecken streiken wegen anhaltender Trockenheit – kein Schnellschleim-Training möglich.
3.Laut vertraulichen Informationen von unserem Sportfreund Herrn Stachl misst Mini-Wurz’ Maßband nur noch 98 cm.
4.Präsidentin Rosa Rumpelblatt hat sich beim Aufwärmfliegen im Rosenbusch verheddert und braucht Ruhe.
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Mit sportlichem Gruß: Gartenrat für sportliche Angelegenheiten (Rosengarten).“
Stille. Dann räusperte sich Mini-Wurz.
„Also… mein altes Maßband hatte einen kleinen Zwischenfall mit der Heckenschere. Aber ich hab längst ein neues. Hochpräzise. Misst sogar die Krümmung von Bohnenranken!“
Rosie seufzte. „Arme Präsidentin Rumpelblatt… ich bringe später Duftkompressen in den Rosengarten.“
Emma stellte die Tasse ab. „Danke für den Tee. Ich muss weiter – Slotter wartet bestimmt schon. Wenn ich zu spät komme, klemmt er wieder trotzig den nächsten Brief ein.“
Mini-Wurz schnaubte. „Wie geht’s denn dem mürrischen Briefkasten?“
„Unverändert eigensinnig“, sagte Emma gelassen und glitt davon.
Jetzt erst nahm Mini-Wurz den anderen Umschlag zur Hand – den ohne Absender, aber mit einem glänzenden Siegel.
Rosie beugte sich näher. „Ist das eine Zwergenmütze?“
Mini-Wurz’ Blick verfinsterte sich schlagartig. „Das ist das Siegel von Ambrosius.“
Mausi hob die Augenbrauen. „Ambrosius?“
„Mein Onkel“, knurrte Mini-Wurz. „Und das ist nie ein gutes Zeichen.“
Er riss das Siegel ab, las ein paar Zeilen und schnappte hörbar nach Luft. „Er… kommt. Hierher. Bald.“
Rosie lächelte. „Wie aufregend!“
Mini-Wurz’ Gesicht sprach Bände. „Wie entsetzlich“, sagte er leise. „Ich hab ihn seit vielen Jahren nicht gesehen – und gehofft, er hätte den Weg hierher vergessen.“
Rosie legte ihm die Hand auf die Schulter. Mausi schob ihm wortlos den Tee näher.
„Dann sollten wir Kuchen backen.“
„Oder Urlaub machen“, murmelte er.