Geschichte 14 – Onkel Ambrosius

Geschichte 14 – Onkel Ambrosius

Rosie hatte sich ins Zeug gelegt. Überall im Garten glitzerten Windspiele, kleine Bänder flatterten zwischen Funkienblättern und sogar das alte Tor hatte sie mit Blütenstaub bestäubt, „damit der Empfang freundlich wirkt“.

Mausi backte Kuchen, Kekse und etwas, das nach Zimt und Aufregung roch. Nur Mini-Wurz saß missmutig auf der Bank und schnitzte an einem Holzlöffel herum. „Man muss ja nicht gleich übertreiben“, grummelte er. „Ein freundliches Guten Tag hätte gereicht. Wir wollen ja nicht, dass er sich hier zu wohl fühlt.“ Rosie lachte. „Ach, Mini-Wurz! Ein bisschen Glanz schadet nie.“

Und dann… knarrte die Gartentür.
Onkel Ambrosius war da.

Er trat ein, als wäre er schon hundert Mal durch dieses Tor geschritten – in einem langen Mantel und mit einer Weste voller gefüllter Taschen. „Mein Junge!“, rief er aus, breit lächelnd, und legte Mini-Wurz eine Hand auf die Schulter. Mini-Wurz’ Gesicht erstarrte. „Ich bin kein Junge“, murmelte er, aber Ambrosius schien es nicht zu hören.

Rosie machte einen kleinen Knicks, Mausi wischte sich Mehl von den Pfoten. „Willkommen im Zaubergarten. Lasst uns in die Teelaube gehen“, sagte sie höflich. „Ein zauberhaftes Fleckchen Erde!“, schwärmte Ambrosius. „Und welch entzückende Gesellschaft!“

Ambrosius plauderte, als sei er nie fort gewesen. Er erzählte von den Schimmerklippen, dem Wirbel der Sonnenstaub-Wüste und dem Nebelwald jenseits des Tals der Funkien. Rosie hing an seinen Lippen, Mausi lauschte mit großen Augen – nur Mini-Wurz brummte gelegentlich etwas wie: „Da war ich auch schon“ oder „So schlimm kann’s nicht gewesen sein“.

Als die Sonne tiefer sank, sagte Mini-Wurz hoffnungsvoll: „Nun ja, es ist spät geworden. Du musst bestimmt weiter, Onkel.“
Rosie seufzte. „Oh, schade. Ich hätte so gern noch mehr Geschichten gehört.“
„Ambrosius ist sicher viel beschäftigt“, schob Mini-Wurz rasch nach. „Und kommt bestimmt nicht so bald wieder.“

Ambrosius lachte herzlich. „Im Gegenteil, mein Junge! Ich habe beschlossen, mich erst mal zur Ruhe zu setzen. Die alte Wurz-Hütte im Blütenhain steht leer – ein herrliches Plätzchen. Ich werde sie beziehen!“

Rosie strahlte. „Wie schön! Dann wohnst du ganz in der Nähe.“
„Ganz recht“, nickte Ambrosius und zwinkerte ihr zu. „Du darfst jederzeit vorbeikommen, meine Liebe. Und natürlich auch Mausi – und du, Mini-Wurz. Schließlich sind wir jetzt Nachbarn!“

Ein Keks rutschte Mini-Wurz aus der Hand und fiel in Zeitlupe auf den Tisch.
Niemand sagte etwas.
Nur das Windspiel über ihnen klirrte leise im Abendwind.

Geschichte 14 – Onkel Ambrosius – zweite Szene
Tipp aus dem Zaubergarten
Wenn Ambrosius auftaucht, wird es nie langweilig. Unerwartete Gäste bringen neue Geschichten – und manchmal auch Chaos. Genau wie im echten Leben: Familie kommt manchmal, wann sie will, und bleibt oft länger als gedacht. Nimm’s mit Humor – ein freundlicher Tee, ein Lächeln und ein bisschen Gelassenheit wirken oft Wunder!