Geschichte 16 – Besuch im Blütenhain

Geschichte 16 – Besuch im Blütenhain

Mini-Wurz war in Gedanken längst unterwegs. Das Tal der Funkien ließ ihm keine Ruhe. Jedes Jahr zog es ihn dorthin – und jedes Jahr nahm er sich vor, besser vorbereitet zu sein.

Doch diesmal hatte Mausi das letzte Wort: „Bevor du wieder losziehst, rede mit Ambrosius. Der kennt ganz Horvi wie seine Westentasche.“ Mini-Wurz verzog das Gesicht. „Er weiß, wo man nicht hineingerät“, fuhr Mausi fort. „Zum Beispiel ins Schwarze Moor.“ Mini-Wurz brummte: „Ich bin nur kurz vom Weg abgekommen …“ „… und hast deine Gummistiefel verloren“, ergänzte Mausi. „Und dabei hattest du noch Glück. Es hätte schlimmer ausgehen können.“

Also machten sie sich auf den Weg zum Blütenhain. Er lag südlich des Zaubergartens – ein Ort voller Licht und Natur: hohe Sonnenblumen, die sich leise im Wind neigten, Lupinen in allen Farben und Margeriten, die wie kleine Sonnen funkelten. Zwischen ihnen stand die alte Wurz-Hütte – halb verborgen, halb sonnenbeschienen.

Ambrosius saß auf der Bank davor, ein Buch auf den Knien, und strich sich gemütlich über den Bart. „Komm rein, mein Junge! … Hallo Mausi, wie schön, dich zu sehen!“, rief er, als sie näher kamen. Mini-Wurz seufzte. „Ich bin kein Junge“, murmelte er – trat aber trotzdem ein.

Drinnen duftete es nach getrockneten Kräutern und Holzpolitur. Mini-Wurz musste widerwillig zugeben, dass es gemütlich war. „Nun, was führt euch zu mir?“, fragte Ambrosius, während Mausi den Kuchen auspackte. „Mini-Wurz will wieder ins Tal der Funkien“, erklärte sie. „Aber diesmal ohne Verluste.“ Ambrosius lachte. „Verluste?“ – „Seine Gummistiefel“, sagte Mausi. „Im Schwarzen Moor.“

Ambrosius klopfte sich auf die Schenkel. „Die roten Gummistiefel? Das waren deine? Ich war erst vor ein paar Monaten dort und habe mich gewundert, wie sie dorthin kommen.“ Mini-Wurz blinzelte. „Du warst im Schwarzen Moor?“ – „Nur ein kleines Stück. Mein Kompass hat mich geführt.“ – „Dein Kompass?“, fragte Mausi neugierig.

Ambrosius stand auf, ging zum Schrank und holte einen alten Kompass hervor. „Hier. Er zeigt nie nach Norden – aber immer auf den sichersten Weg.“ Mini-Wurz betrachtete das Gerät skeptisch. „Das soll funktionieren?“ – „Ich bin schließlich noch hier, nicht wahr?“, zwinkerte Ambrosius.

Dann lehnte er sich zurück, als habe er gerade die beste Idee des Tages. „Weißt du was? Ich komme mit. Es wird Zeit, dass ich mal wieder durch die Moore ziehe.“ „Dann gehe ich natürlich auch mit“, sagte Mausi sofort. „Und ich sowieso!“, rief Rosie, die gerade durch das offene Fenster hereingeflattert kam.

Ambrosius nickte zufrieden. „Abgemacht. Wir treffen uns in zwei Wochen bei Sonnenaufgang vor meiner Hütte.“ Mini-Wurz sah hinaus in den Blütenhain, wo sich die Sonnenblumen leicht neigten, als hätten sie jedes Wort verstanden. Er seufzte – leise und nicht ganz ohne Vorfreude.

Geschichte 16 – Besuch im Blütenhain – zweite Szene
Tipp aus dem Zaubergarten
Manche Reisen plant man besser zu zweit – oder gleich mit guten Nachbarn. Und auch Pflanzen profitieren von Begleitung: Funkien fühlen sich wohl neben Farnen, Astilben oder Kaukasus-Vergissmeinnicht. Gemeinsam sind sie stark – so wie kleine Abenteurergruppen, die sich aufeinander verlassen können.