Geschichte 17 – Der Halloween-Geist

Geschichte 17 – Der Halloween-Geist

Im Zaubergarten war Halloween ein fröhlicher, leicht schauriger und vor allem süßer Brauch.
Jeder hing Lämpchen und kleine Laternen auf, teilte seine Lieblingssüßigkeiten – und erlaubte sich den ein oder anderen harmlosen Streich. Die Käferkinder aus dem Blumenbeet liebten es, die Asselkinder in der Trockenmauer zu erschrecken, und Mini-Wurz behauptete jedes Jahr, er sei zu alt für solchen Unsinn… während er heimlich Bonbons versteckte.

An diesem Abend liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Rosie schmückte gerade das Gartentor mit glitzernden Bändern und kleinen Zuckerblüten, als sie es sah:
Ein großes, weißes Bettlakenwesen kam auf dem Gartenweg näher.
„Ambrosius? Schön, dass du da bist!“, rief Rosie fröhlich. „Kannst du das Süßigkeitenkörbchen ins Blumenbeet stellen? Die Käferkinder freuen sich bestimmt!“
Das Wesen blieb kurz stehen. Schweigend. Dann wandte es sich um – und verschwand.
Rosie runzelte die Stirn.

Mini-Wurz zündete gerade eine Reihe kleiner Teelichter an, als das Lakenwesen direkt hinter ihm vorbeischlurfte. Er fuhr herum.
„Mausi! Pass auf! Das ist mein bestes Laternenfeld und du fängst gleich Feuer!“ Doch das Wesen ging einfach weiter und verschwand hinter einem Busch.

Mausi war in der Küche zugange, als sie die weiße Gestalt am Fenster vorbeihuschen sah. Sie öffnete das Fenster und rief: „Mini-Wurz! Bitte mach das Laken nicht schmutzig – ich habe es gerade erst gewaschen!“

Ambrosius betrat den Zaubergarten und sah das weiße Wesen über den Johannisbeeren schweben. „Na, Rosie? Verteilst du wieder ein bisschen Glitter?“ Aber er erhielt keine Antwort.

Später trafen sich alle in der Gartenlaube. „Mini-Wurz? Wo ist mein Bettlaken? Bitte sag nicht, du hast es verloren!“ sagte Mausi. „Welches Bettlaken?“, fragte Mini-Wurz.
Mausi verdrehte die Augen. „Das, mit dem du dich verkleidet hast, um alle zu erschrecken.“ Mini-Wurz blinzelte. „Ich habe niemanden erschreckt! Ich war bis eben im Rosengarten und habe Süßigkeiten verteilt.“

Ambrosius schmunzelte. „Ich glaube, Rosie hat sich einen Scherz erlaubt. Ich habe sie mit dem Bettlaken über den Johannisbeeren schweben sehen.“ - „Das war ich nicht!“, wunderte sich Rosie. „Ich dachte, du hättest dich verkleidet…“
Und so ging es weiter – bis feststand, dass niemand der vier im Laken gesteckt hatte.

„Wer könnte uns denn einen Streich gespielt haben?“, murmelten sie und griffen zu den Süßigkeiten.

Da kam Herr Stachl des Weges und brachte getrocknete Äpfel und Beeren mit.
„Hallo, Mini-Wurz“, sagte er. „Ich dachte, ich hätte dich gerade als Gespenst im Funkienbeet gesehen.“
„Ha!“, rief Mini-Wurz und sprang auf. „Ich werde dieses Gespenst jetzt auf frischer Tat ertappen!“

Doch dazu kam er nicht mehr. Denn genau in diesem Moment schwebte das Gespenst durch die Wand der Gartenlaube, stibitzte sich ein paar Süßigkeiten vom Tisch – und löste sich lautlos in Luft auf. Drei Sekunden Stille. „…Das war kein Streich“, flüsterte Rosie. Und niemand widersprach…

Geschichte 17 – Der Halloween-Geist – zweite Szene
Tipp aus dem Zaubergarten
Nicht jedes Rätsel im Garten muss gelöst werden. Manchmal ist es nur ein fehlendes Sempervivum-Schild, manchmal ein nächtliches Rascheln im Funkienbeet – und manchmal ein wandelndes Bettlaken, das sich still in Luft auflöst.