Die Sonne stand noch tief, als die vier sich vor Ambrosius’ Hütte versammelten. Der Blütenhain lag still, nur ein paar Sonnenblumen wendeten schläfrig die Köpfe, als wollten sie neugierig lauschen.
Mini-Wurz stand da – ein breites Grinsen auf dem Gesicht und neue, gelbe, tadellos saubere Stiefel an den Füßen. Mausi hatte einen ganzen Korb voll Verpflegung dabei, die sie verteilte. „Proviant für zwei Tage“, erklärte sie. „Kräuterfladen, getrocknete Apfelringe, Nusskekse, ein bisschen Honig und Tee. Und Rosies Kräuterbonbons. Gegen schlechte Laune.“
Rosie flatterte heran, schimmernd wie Morgentau. „Ich habe Zauberstaub eingepackt und Glitzer für Notfälle. Könnte nützlich sein.“
„Oder auch nicht“, murmelte Mini-Wurz.
„Das wird sich zeigen“, fügte Ambrosius schmunzelnd hinzu.
Dann zog er den alten Kompass hervor. „Wir gehen streng nach Kompass. Der zeigt den sichersten Weg. Wenn alles klappt, erreichen wir vor Mittag die Grenze zum Nebelmoor.“
Sie wanderten stundenlang durch den weichen Morgen. Schließlich sagte Ambrosius: „Wir sind nah dran.“ Vor ihnen lag ein breites, silbergraues Feld aus feinem Nebel, der in Falten über den Boden kroch: das Nebelmoor. „Hier hinein“, sagte Ambrosius. „Der Kompass zeigt genau auf diesen Pfad.“
Mini-Wurz räusperte sich. „Äh … also … es gäbe da … noch einen anderen Weg. Ein klein wenig weiter südlich. Da ist der Nebel nicht ganz so … dicht.“
Rosie schmunzelte. Mausi zog die Augenbrauen hoch. Ambrosius blinzelte verwirrt. „Warum?“
Mini-Wurz seufzte. „Na wegen … Linda.“ – „Diese Yoga-Blindschleiche?“ – „Ja, ich möchte einfach nicht schon wieder gedehnt werden …“
„Habe ich gerade meinen Namen gehört?“ Mini-Wurz erstarrte. Ambrosius auch. Rosie lächelte höflich. Linda stand hinter ihnen, vollkommen ausbalanciert, als wäre sie schon seit Stunden dort. „Was führt euch ins Nebelmoor?“ – „Das Tal der Funkien“, antwortete Rosie sofort.
Linda legte den Kopf schief. „Ihr seid angespannt.“
Mini-Wurz: „Nein.“
Mausi: „Doch.“
Rosie: „Sehr.“
Ambrosius: „Ich nicht!“
„Ihr solltet euch vorher entspannen. Das Moor mag keine harten Muskeln. Oder harte Gedanken.“
Ambrosius und Mini-Wurz wechselten einen Blick, der Bände sprach. Zum ersten Mal an diesem Morgen waren sie sich einig.
Linda schnalzte mit der Zunge. „Nur eine kleine Einheit. Ganz sanft.“
– Rosie machte begeistert mit.
– Mausi war höflich tapfer.
– Ambrosius und Mini-Wurz versuchten, ihre Würde zu behalten.
Nach einigen Dehnungen, die vermutlich niemand ganz korrekt ausführte, verkündete Linda zufrieden: „Gut. Jetzt seid ihr bereit. Der Nebel wird euch tragen.“
Ambrosius nickte knapp, warf einen Blick auf den Kompass und setzte einen Schritt in den grauen Schleier. Mini-Wurz folgte, Mausi hinterher, Rosie schwebte leise glitzernd hinein.
Der Nebel schloss sich wie ein Vorhang. Und die vier verschwanden langsam darin – als hätten sie eine Bühne betreten, die nur auf sie gewartet hatte.
Fortsetzung folgt.