Geschichte 19 – Die Reise ins Tal der Funkien (Teil 2)

Geschichte 19 – Die Reise ins Tal der Funkien (Teil 2)

Der Nebel hatte seine eigene Art, Gäste zu empfangen. Er verschluckte die Farben, dämpfte die Schritte und ließ das Zeitgefühl weicher werden.

Mini-Wurz blieb immer wieder stehen und horchte. „Es klingt, als würden wir auf nassem Kuchen laufen“, murmelte er. Ambrosius ging vorneweg, den Kompass fest im Blick. „Solange er funktioniert, ist alles gut“, sagte er. Beide schauten nach ihrer unfreiwilligen Yoga-Stunde noch etwas griesgrämig drein.

Nach einer Weile schälte sich aus dem Grau etwas Dunkles heraus. Erst waren es nur Schatten, dann Formen — und schließlich standen sie vor drei gewaltigen, bemoosten Steingestalten, die im Halbkreis aus dem Moor ragten. Jede hatte eine andere Haltung:
Die erste lag halb im Morast und sah aus, als würde sie schlafen.
Die zweite starrte streng in die Ferne.
Die dritte hatte beide Hände an den Kopf gelegt, als hielte sie sich die Ohren zu.

„Die Moorhüter“, flüsterte Ambrosius. Er runzelte die Stirn. „Als ich das letzte Mal hier war, gab es nur zwei. Und die standen viel weiter nördlich. Und keiner sah so streng aus.“ - „Es sind immer drei, und wenn ich ihnen begegne, gucken sie immer streng.“ sagte Mini-Wurz. Dann blinzelte er und keuchte. „Der da hat mir gerade zugezwinkert! Habt ihr das gesehen??? Er hat sich bewegt!“

„Hier hat sich nichts bewegt“, murmelte Ambrosius. Er blickte auf den Kompass. „Wir müssen genau hindurch.“ Mini-Wurz starrte auf die Steinfiguren, die ihn jetzt anzugrinsen schienen. „Ich habe kein gutes Gefühl im Bauch“, sagte er. „Dann iss etwas“, erwiderte Mausi. „Ich habe Nusskekse.“

Sie liefen weiter. Tiefer hinein in den grauen Dunst. „Jetzt wird’s dichter“, sagte Ambrosius. Mini-Wurz zog seine Stiefel fester.
„Ambrosius?“, fragte er vorsichtig. „Bist du sicher, dass der Kompass weiß, wohin er zeigt?“ - „Er zeigt immer den sichersten Weg“, sagte Ambrosius. „Aha.“ Mini-Wurz klang nicht überzeugt. „Und sicher heißt …?“ „Nicht unbedingt angenehm“, ergänzte Ambrosius. „Aber ungefährlich.“

Der Nebel wurde noch dichter. Das Licht war kaum noch mehr als ein matter Schleier. Der Boden vibrierte unter ihren Schritten, als wäre er nicht ganz entschieden, ob er fest oder flüssig sein wollte.

Dann blieb Mausi stehen. „Ambrosius“, sagte sie leise.
Er hielt den Kompass höher. Der Zeiger bewegte sich jetzt unruhig, fast zitternd.
„Das hier …“, flüsterte Mausi, „das fühlt sich nicht mehr wie Nebelmoor an.“

Mini-Wurz schluckte.
Rosie flatterte näher an ihn heran.
Mausi schaute hoch und sagte mit ernster Stimme:
„Wir sind am Rand des Schwarzen Moors.“

Der Nebel glomm schwarzgrau. Der Kompass zuckte.
Und tief im Boden blubberte etwas.
Fortsetzung folgt.

Geschichte 19 – Die Reise ins Tal der Funkien (Teil 2) – zweite Szene
Tipp aus dem Zaubergarten
Manche Hindernisse scheinen unüberwindbar – ob im Moor oder im Alltag. Ein Schritt zurück, ein tiefer Atemzug, und schon sehen die meisten Probleme – so wie die Moorhüter – nur noch halb so schlimm aus.