Geschichte 20 – Die Reise ins Tal der Funkien (Teil 3)

Geschichte 20 – Die Reise ins Tal der Funkien (Teil 3)

Der Abstecher ins Schwarze Moor dauerte zum Glück nicht lange. Ein paar zähe, vorsichtige Schritte, Ambrosius vorneweg mit dem zitternden Kompass, Mausi dicht dahinter, Rosie knapp über dem Boden schwebend – und Mini-Wurz mit einem Gesicht, das sagte: „Wenn ich hier versinke, reklamier ich die Stiefel.“

Dann, fast ohne Übergang, wurde der Nebel heller. Der Boden fester. Und vor ihnen öffnete sich ein weites, grünes Tal. Funkien in allen Formen und Farben standen dicht an dicht, als hätten sie den Tag über geduldig auf Besucher gewartet. „Das Tal der Funkien“, sagte Ambrosius schlicht.

Mini-Wurz wollte sofort losstürmen, aber Mausi hielt ihn am Ärmel fest. „Es wird dunkel. Und wir hatten eine anstrengende Reise.“ Sie hatte recht. Die Sonne stand schon tief, golden über dem Tal.

„Dann schlafen wir hier“, entschied Ambrosius und zog ein unscheinbares Taschentuch aus seiner Weste.
Er pustete kurz hinein und – woosh! – daraus wurde ein großes, weiches Zelt, warm wie ein Sommertag und geräumig genug für eine kleine Hochzeitsgesellschaft.

Mini-Wurz starrte. „Du hattest ja versprochen, dich um eine Übernachtungsmöglichkeit zu kümmern. Aber das ist ja der Wahnsinn!“
„Woher hast du das?“, fragte Rosie.
Ambrosius zwinkerte ihr zu: „Das ist eine lange Geschichte … Die Kurzform: Ich war furchtbar erkältet, kam in den Wäscheleinen-Wald und stibitzte ich mir dieses unauffällige Taschentuch von der Leine. Und als ich hineinschniefen wollte, ploppte es plötzlich auf und ein riesengroßes Zelt stand vor mir. Ich brauchte eine Weile, um herauszufinden, wie man es wieder in ein Taschentuch zurückverwandelt. Also zieht bitte nicht an dem Stoffzipfel neben der Tür.“

Am nächsten Morgen war Mini-Wurz als Erster wach. „Goldene Funkie, ich komme!“, flüsterte er, entschlossen wie ein General. Ohne Frühstück lief er los.
Er suchte stundenlang.
Er kletterte über Hügel.
Er starrte in dichtes Blattwerk.
Er kroch sogar zwischen zwei Riesen-Funkien hindurch.
Aber keine Goldene.

Dafür fand er andere Ableger: winzige Blattrosetten, die blau schimmerten oder zart silbern, manche mit Mustern wie gemalte Wellen. Er packte sie vorsichtig ein – stolz, aber trotzdem ein wenig enttäuscht.

Mausi sammelte Kräuter an Bachläufen, schnupperte fachmännisch und sortierte Blätter nach Duft und Struktur.
Rosie erkundete fliegend jeden Winkel, ließ sich auf funkelnde Blätter nieder und rief ständig: „Hier glitzert was! Oh – nein, nur Tau.“
Ambrosius saß einfach im Gras, die Hände im Schoß, und lächelte den Funkien zu, als würde er alte Freunde besuchen.

Als die Sonne hoch am Himmel stand, trafen sie sich wieder am Zelt. „Keine Goldene“, sagte Mini-Wurz leise. „Nicht heute“, meinte Ambrosius. „Aber das Tal bringt jedes Jahr neue Wunder hervor.“
Mausi nickte. „Und du hast genug Ableger, um drei neue Beete damit zu füllen.“

Mini-Wurz sah in seine Moostaschen – und lächelte zum ersten Mal wirklich zufrieden.

Geschichte 20 – Die Reise ins Tal der Funkien (Teil 3) – zweite Szene
Tipp aus dem Zaubergarten
Große Ziele lassen sich nicht immer sofort erreichen – weder im Funkiental noch im echten Leben. Doch oft zeigen sich unterwegs Schätze, die man sonst übersehen hätte. Geduld öffnet Wege, die sonst nicht sichtbar wären.