Ein leiser Hauch von Winter lag über dem Zaubergarten. Nicht still – eher so, als würde der Garten den Atem anhalten, weil gleich etwas passiert. Mini-Wurz fand, das sei der perfekte Moment für einen Plan.
„Dieses Jahr“, verkündete er, „machen wir alles ordentlich. Backen, schmücken, organisieren. Weihnachts-Vorbereitungen.“ Rosie und Mausi tauschten einen Blick.
„Zuerst brauchen wir den traditionellen Lichtfunken-Busch.“
Mini-Wurz eilte davon und kam nach einer Stunde stolz mit einem Exemplar zurück, das vorne üppig, hinten kahl und insgesamt eher eigensinnig war.
„Der ist strukturell ausgezeichnet“, sagte er. Rosie neigte den Kopf. „Er hat Persönlichkeit.“ Mausi knetete schmunzelnd ihren Plätzchenteig.
Beim Schmücken hingen Mini-Wurz und Rosie die Kugeln und Sterne sorgfältig auf eine Seite – die andere war ja kahl. Der Busch kippte um. Zweimal. Schließlich banden sie ihn so gründlich an einem Regal fest, dass er aussah, als trüge er einen dicken Winterschal.
„Gut“, sagte Mini-Wurz, betrachtete den Busch zufrieden und klatschte in die Hände.
„Dann müssten wir als Nächstes noch den Weihnachtswegeplan festlegen. Nicht, dass später jemand eine besonders gelungene Garten-Dekoration verpasst.“
Er nickte ernst. „Letztes Jahr gab es da unnötige Umwege.“
„Ähm … ich muss leider los …“, sagte Rosie. „Rosa Rumpelblatt braucht Hilfe beim Anbinden ihrer Kletterrosen. Ich bin gleich zurück!“ Mini-Wurz grummelte. „Na gut. Dann warte ich.“
Mausi zuckte zusammen. „Bei allen Kräutern! Ich habe Ambrosius versprochen, ihm warmen Salbei zu bringen. Der arme Kerl klang gestern ganz heiser. Ich beeile mich!“
Sie zeigte streng auf den Ofen. „Mini-Wurz, die Plätzchen müssen in zehn Minuten raus. Zehn. Schaffst du das?“
„Aber sicher! Ich bin ja wohl kein Anfänger!“
Mini-Wurz stellte sich vor den Ofen, verschränkte die Arme und nickte zufrieden. Sein Blick landete auf dem Backblech. Die Teighäufchen darin gingen langsam auf und sahen – im perfekten Licht – ganz leicht aus wie … Funkienblätter.
„Funkien …“, murmelte er weich.
„Bei allen Semperviven! Ich habe die Funkien ja NOCH GAR NICHT eingepackt!“
Er stellte sich dramatisch aufrecht hin. „Wenn jetzt ein Frostwind von der Schneetanne kommt … das wäre eine Katastrophe. Ein botanisches Unglück! Ich muss nur schnell ein Vlies holen. Nur schnell.“
Er öffnete die Vorratskammer. Kein Vlies.
Er schlurfte in die Werkstatt. Auch kein Vlies.
Er suchte weiter.
Zehn Minuten vergingen.
Elf.
Zwölf.
Im Pilzhaus begann es leise zu qualmen.
Die Maulwurf-Feuerwehr rauschte heran. Muffel stürmte hinein. „Feuer? Rauch? Lagebericht!“
Mick öffnete vorsichtig den Ofen. „Plätzchenlage kritisch. Sehr kritisch.“
Malo nahm ein verkohltes Eckchen. „Kross. Aber irgendwie lecker.“
Mini-Wurz stand wie versteinert in der Tür, das Vlies über der Schulter. In diesem Moment kehrten Mausi und Rosie zurück. „Mini-Wurz?!“ rief Mausi. Er stammelte: „Ich war nur … ganz kurz … also ich dachte … die Funkien …“
Rosie tätschelte Mini-Wurz die Schulter. „Hauptsache, dir ist nichts passiert!“
„Was man von den Plätzchen nicht behaupten kann …“, warf Muffel hilfreich ein.
Am Ende saßen sie alle zusammen. Alle Fenster waren zum Lüften geöffnet. Das Blech mit den verkohlten Plätzchen qualmte noch leise vor der Tür. Ein frisch gebackenes Blech stand auf dem Tisch, der Tee dampfte, und ein schiefer, aber wundervoll leuchtender Lichtfunken-Busch verbreitete weihnachtliche Stimmung.
Mini-Wurz hielt seine Tasse fest wie ein Rettungsseil. „War … irgendwie … eine sehr chaotische Vorbereitung“, murmelte er. Rosie lächelte. „Ich fand’s zauberhaft.“ Mausi nickte warm. „Ein bisschen Chaos gehört zu Weihnachten.“
Mini-Wurz brummelte – doch seine Augen funkelten wie der Busch.
Es war eben eine perfekte kleine Weihnachts-Katastro … äh … -Vorbereitung im Zaubergarten.