Geschichte 25 - Weihnachten im Zaubergarten

Geschichte 25 - Weihnachten im Zaubergarten

Mini-Wurz grummelte schon auf halbem Weg. „Dreiundzwanzig Besuche bei der Schneetanne. Dreiundzwanzig Zettelchen mit gereimten Garten-Weisheiten. Mir schwant nichts Gutes!“

„Vielleicht hast du ja heute Glück“, entgegnete eine gut gelaunte Rosie. Mini-Wurz brummte: „Liegt wieder nichts unter der Tanne, hau ich sie mit einer Pfanne!“ „Mini-Wurz!“ rief Mausi halb empört, halb belustigt. Rosie kicherte und zeigte auf die Schneetanne.

Mausi entdeckte ein feines Rezeptbuch. Rosie zog glitzernde Handschuhe aus dem Schnee. Mini-Wurz hob sein Geschenk auf. Natürlich nur ein Zettel. Er las: Ist der Gärtner stets bemüht, alles drin und draußen blüht.

Mini-Wurz knurrte. „Schon klar.“ Er drehte sich zum Gehen um. „Warte!“, rief Rosie. Halb unter einer Wurzel lag ein kleines goldenes Päckchen. Darauf stand: Für Mini-Wurz. Erst zu Hause öffnen. Mini-Wurz runzelte die Augenbrauen und nahm es mit spitzen Fingern, als könnte es gleich zuschnappen. „Das gefällt mir überhaupt nicht.“

Vor dem Pilzhaus warteten bereits weitere Geschenke. Sir Hupert Hoppenstedt war früh unterwegs gewesen – sechs Päckchen lagen ordentlich aufgereiht: drei für Mini-Wurz, drei für Mausi. Rosie flatterte aufgeregt zum Baumhaus und kam ebenfalls mit drei Paketen zurück.

Im Pilzhaus glühte bereits der Lichtfunken-Busch. Warmes Licht tanzte über die Wände, Melissen-Punsch dampfte in den Tassen, und die Keksdose war mittlerweile verdächtig leicht geworden.

Rosie betrachtete ihre Geschenke. „Alle gleich … nur die Farben sind verschieden.“ Sie öffnete das erste – und hielt den Atem an. „Oh … die sind von den Flüsterlingen.“ Feiner Schmuck aus Wassersteinen kam zum Vorschein: ein Anhänger, ein Armband, eine zarte Spange. Jedes Stück schimmerte anders, je nachdem, wie man es bewegte. „Die sind wunderschön …“, flüsterte Mausi.

Mausi packte ihre Geschenke aus: kleine Gläser für Wintertees, eine handgeschnitzte Schöpfkelle und ein glattes Sortierbrettchen für Kräuter. „Alles genau richtig“, sagte sie leise.

Mini-Wurz räusperte sich und wandte sich seinen drei Geschenken zu. „Dann wollen wir mal.“
Das erste Päckchen war angekohlt. „Sicher von Brandur, dem Schlackewichtel“, sagte Mausi sofort. Innen lagen schwere, handgeschmiedete Nägel. Perfekt gearbeitet. Mini-Wurz strahlte. „Okay … das erste Geschenk ist schon mal … brauchbar.“

Das zweite war in glitzerndem Rosenpapier eingewickelt. „Ha!“, rief Mini-Wurz und deutete auf Rosie. „Ich wusste, dass ich ein Geschenk von dir bekomme!“ Er öffnete es und entdeckte … ein Poesiealbum. Alle Reimzettel der Schneetanne waren sauber eingeklebt. „Damit du sie nicht verlierst!“, sagte Rosie und zwinkerte ihm zu. Mausi lachte.

Das dritte Päckchen roch … eigenartig und streng. Zum Vorschein kam eine Düngekugel, liebevoll gerollt und mit einem Echtheitszertifikat. „Ah …“, sagte Mini-Wurz. „Von meinem Lieblings-Mistkäfer Rollo.“

Er sah sich um. „Nun … eigentlich waren die Geschenke gar nicht so schlecht, wie erwartet.“ Mausi hielt sich die Nase zu. „Fein! Aber bitte bring die Kugel nach draußen!“

Es klopfte. Herr Stachl trat ein, schnupperte kurz und hielt dann stolz einen kleinen Holzgegenstand hoch. „Wie aufmerksam, Mini-Wurz! Ein Stachelkürzer für ältere Herren. Meine Spitzen sind nicht mehr die jüngsten, weißt du.“ Mini-Wurz starrte. „Das ist ein Bleistiftspitzer. Ach … egal …“ „Komm doch rein“, sagte Mausi. „Der Tee steht schon bereit.“

Kurz darauf erschien Ambrosius – mit einem breiten, weißen Schal um den Hals. „Mini-Wurz! Was für ein schönes Geschenk! Ich muss sagen, der Stoff ist etwas ungewohnt und die Farbe etwas einfallslos, aber dieser Schal hält wunderbar warm!“ Mini-Wurz blinzelte. „Das ist ein Schutzvlies, Ambrosius! Für dein Exotenbeet!“ Ambrosius guckte überrascht, konnte aber nicht mehr antworten, weil Rosie ihn schon zum Tisch zerrte.

Siggi schlich leise herein, legte sein nagelneues Mooskissen – ein Geschenk von Mausi – vor den Ofen und machte es sich bequem.

Das Pilzhaus war voll, warm und lebendig. Mini-Wurz murmelte: „Wenn jetzt noch Madame Spindella kommt, muss ich Schere und Kamm verstecken.“ Aber sie kam nicht.

Alle saßen gemütlich bei Tee und Gebäck zusammen, dicht gedrängt um den warmen Lichtfunken-Busch. Bis Ambrosius plötzlich innehielt und auf den Schrank zeigte. „Was ist das für ein goldenes Päckchen dort oben?“

Mini-Wurz erstarrte. Das hatte er ganz vergessen. „Ein Geschenk von der Schneetanne“, flüsterte Rosie Ambrosius zu.

Mini-Wurz nahm das Päckchen vorsichtig an sich und ging damit nach draußen. Die anderen folgten ihm. Der Mond stand klar am Himmel, und neben dem Pilzhaus dampfte besinnlich die Düngekugel vor sich hin.

Mini-Wurz öffnete das Päckchen mit äußerster Vorsicht. Ein warmes Leuchten strömte ihm entgegen. Und dann sah er es.
Ein kleiner, goldener Ableger.
Zart, leuchtend, lebendig.
Mini-Wurz flüsterte: „Die… die goldene Funkie…“ Er hielt sie wie einen Schatz. Kurz hob er den Blick in den Abendhimmel - und dann lächelte er einfach nur.

Geschichte 25 - Weihnachten im Zaubergarten – zweite Szene
Tipp aus dem Zaubergarten
Manchmal werden Geschenke völlig anders genutzt als gedacht – ein Schutzvlies wird zum Schal, ein Bleistiftspitzer zum Stachelkürzer. Aber wenn am Ende jemand zufrieden lächelt, war es vielleicht trotzdem genau das richtige Geschenk.