Geschichte 28 – Missy und die Mäuseküche

Geschichte 28 – Missy und die Mäuseküche

„Na, lungerst du schon wieder in der Küche rum?“
Mini-Wurz stemmte die Hände in die Hüften. „Willst du nicht mal was Sinnvolles machen?“
In diesem Moment flatterte Rosie durch die Tür, bremste abrupt in der Luft und starrte ihn an.
„Wie redest du denn bitte mit Mausi?!“

Mini-Wurz zuckte zusammen, wurde augenblicklich rot und wedelte hektisch mit den Armen.
„Was? Nein! Ich meinte doch nicht Mausi! Ich habe mit—“ Er deutete nach oben.

Auf dem Küchenregal saß Missy. Aufrecht. Still. Beobachtend. „Ich habe mit Missy gesprochen“, murmelte Mini-Wurz und rückte seine Mütze zurecht.

Rosie legte den Kopf schief. „Ach so.“
Mausi stellte eine Schüssel ab und lächelte.
„Ihr gefällt es auf dem Regal“, sagte sie. „Von dort oben hat sie den perfekten Überblick.“

Mini-Wurz schnaubte. „Na, wenigstens sitzt sie nicht mehr den ganzen Tag vor der Vorratskammer und miaut.“
„Die Vorratskammer ist tabu“, sagte Mausi ruhig. „Ich glaube, das hat sie jetzt begriffen.“

Rosie nickte zufrieden, und kurz darauf verließen die drei das Pilzhaus, um in der Teelaube zu frühstücken.

Missy starrte ihnen noch einen Moment hinterher.
Dann sprang sie elegant vom Regal.

Kaum hatte sich die Tür geschlossen, zuckten ihre Ohren.
Schon wieder dieses Geräusch.
So leise, dass niemand außer ihr es bemerkte.

Missy schlich zur Vorratskammer. Die Tür stand einen Spalt offen.
Sie schob sich hindurch.

Zwischen Gläsern und Kräuterbündeln huschten vier kleine Gestalten umher: zwei Käferkinder und zwei Asselkinder.
Sie kicherten, stießen sich gegenseitig an und naschten winzige Stäubchen, die aus Mausis getrockneten Zuckerblüten auf den Boden rieselten.

Missy trat näher.
Ganz ruhig. Miau.

Vier Köpfe ruckten herum.
Vier Münder klappten auf.
„Ein Monster…“, flüsterte eines der Asselkinder.
Niemand bewegte sich.

Missy hob eine Kralle. Vorsichtig. Bestimmt.
Ein Asselkind baumelte einen Moment in der Luft und saß dann in einem leeren Sauerkrauttopf.
Das zweite folgte.
Dann die beiden Käferkinder.

Der Topf blieb offen.
Aber keiner wagte es, sich zu rühren.

Als Mausi und Mini-Wurz später zurückkamen, saß Missy geschniegelt vor der Vorratskammer. Miau.
„Miau?“, fragte Mini-Wurz misstrauisch. „Was soll das heißen? Dir ist langweilig? Du willst Milch?“
„Ein kleines Schälchen können wir ihr geben“, sagte Mausi leise und öffnete die Vorratskammer.

Aus dem Sauerkrauttopf kamen zarte Stimmchen.
Mausi lugte hinein. „Ist… ist das Monster noch da?“
Miau.
Vier Augenpaare rissen sich auf.

„Wir… wir wollten nur…“, begann eines der Käferkinder zögerlich.
„…Zuckerblütenstaub naschen“, piepste ein Asselkind. „Und dann kam das Monster!“

Mausi seufzte, aber ihre Stimme blieb ruhig.
„Grundsätzlich finde ich es ja gut, wenn ihr was zusammen macht“, sagte sie.
„Und euch nicht immer nur Streiche spielt. Aber diese Stäubchen sind nichts, was man einfach nimmt.“

Die Kinder sahen beschämt zu Boden.
„Wenn ihr etwas Süßes wollt“, fuhr Mausi fort, „dann fragt mich. Verstanden?“
Vier Köpfe nickten hastig.

Mini-Wurz half ihnen aus dem Topf und stellte sie vor Missy.
„Sie ist kein Monster“, sagte er streng.
„Missy ist unsere neue Zuckerblüten-Aufsicht. Und sie nimmt ihre Aufgabe sehr ernst.“

Missy gähnte, sprang auf das Regal und rollte sich zusammen. „Na ja“, murmelte Mini-Wurz und scheuchte die vier Kinder in den Garten.
„Meistens jedenfalls.“

Geschichte 28 – Missy und die Mäuseküche – zweite Szene
Tipp aus dem Zaubergarten
Wenn etwas nicht stimmt, merkt es manchmal derjenige zuerst, der einfach nur still beobachtet. Aufmerksamkeit ist oft leiser als Worte – aber genauso wirksam.