Mini-Wurz saß in seiner Werkstatt und hantierte mit einer winzigen Pinzette an einem Ungetüm aus Kupferdraht und Flügelchen, das verdächtig nach einer überdimensionalen Biene aussah.
„Ich sage dir, Mausi, das ist die Zukunft!“, rief er über die Schulter. „Der Blüten-Flitzer 500! Er bestäubt Blumen, Gemüse und Obst absolut zuverlässig und mit mathematischer Genauigkeit! Warum auf die Natur warten, wenn man Präzisionsarbeit leisten kann?“
Mausi, die ihm gerade einen Melissen-Tee brachte, hob skeptisch eine Augenbraue. „Die echten Bienen machen das seit Ewigkeiten ganz ordentlich, Mini-Wurz. Und sie brauchen kein Uhrwerk, das man aufziehen muss.“
Auch Rosie, die gerade zur Tür hereinflatterte, wirkte wenig begeistert. „Bitte nicht schon wieder eine Erfindungstragödie“, seufzte sie. „Ich habe immer noch ein leichtes Pfeifen in den Ohren vom letzten Mal.“
Doch Mini-Wurz ließ sich nicht beirren. Mit einem stolzen Grinsen trat er in den Garten, hielt den Blüten-Flitzer hoch und drückte auf den Startknopf. Das Ding summte los wie eine wütende Hummel auf Koffein.
„Seht ihr? Es fliegt! Es…“
Wusch!
Ein weißer Blitz schoss aus dem Holunderbusch hervor. Mit einem eleganten, wenn auch etwas übermütigen Satz katapultierte sich Monty, der weiße Kater, in die Luft.
Klapp! Die Kiefer schlossen sich, das Summen verstummte mit einem kläglichen Quietschen. Monty landete weich auf allen vieren, den Blüten-Flitzer fest im Maul, und sah Mini-Wurz stolz an.
„He! Aus!“, rief Mini-Wurz entsetzt und rannte auf den Kater zu. „Monty, pfui! Gib das her! Das ist Technologie, kein Spielzeug!“
Monty hob den Kopf noch ein Stück höher, als wollte er sagen: Ich habe das gefährliche Monster für dich erlegt, kleiner Mann.
Erst nach gutem Zureden und einem strengen „Aus! Gib Pfötchen… nein, gib Apparat!“ ließ er die Beute fallen.
Mit dem vollgesabberten Fluggerät eilte Mini-Wurz zurück in seine Werkstatt. „Muss nur… ein bisschen nachjustieren“, murmelte er, während Monty ihm neugierig folgte.
Mini-Wurz drehte an einer winzigen Schraube – da gab der Blüten-Flitzer ein grelles Biep von sich. Das Gerät schoss vom Tisch hoch, knallte gegen die Decke, trudelte wie ein betrunkener Maikäfer durch den Raum und vollführte unkontrollierte Sprünge.
„Monty! Pass auf!“, schrie Mini-Wurz, doch für Monty war das Spiel jetzt erst richtig eröffnet.
Plopp! Monty sprang auf das obere Regal.
„Pass auf! Die Schraubendosen!“ – Klirr! Hunderte winziger Metallstifte ergossen sich über den Boden.
Wusch! Monty jagte den Blüten-Flitzer in Richtung Werkzeugwand.
„Nein, Monty! Nicht den Hammer berühren!“ – Bruch! Der Hammer fiel direkt auf eine Tonschale, die in tausend Stücke zersprang.
Der Blüten-Flitzer taumelte weiter durch die Werkstatt, Monty hinterher, Regale wackelten, Schachteln flogen, Werkzeuge regneten. „Halt an! Stehenbleiben!“, rief Mini-Wurz und versuchte, den Blüten-Flitzer mit seiner Mütze einzufangen, während Monty einen waghalsigen Salto vom Regal schlug und dabei einen Stapel alter Pflanzpläne in die Luft wirbelte.
Schließlich fiel der Blüten-Flitzer mit einem letzten müden Summen in einem umgekippten Eimer voller Sägespäne und blieb dort liegen. Monty landete mitten auf einem Stapel verstaubter Dokumente, die er beim Herumspringen aus dem obersten Regalfach gerissen hatte.
Mini-Wurz wollte gerade schimpfen, als sein Blick auf eine große, blaue Mappe fiel, die direkt vor seinen Füßen lag. Auf dem Deckel stand in seiner eigenen, ordentlichen Handschrift: „PROJEKT SILBERBERGE – MAGNETISCHE ANZIEHUNGSKRAFT“.
„Das… das gibt’s doch nicht!“, rief Mini-Wurz und vergaß den kaputten Blüten-Flitzer sofort. „Meine verschollenen Pläne für die magnetische Ausrüstung! Die suche ich ja schon ewig.“
Er sah zu Monty, der sich gerade völlig unschuldig die Pfote leckte, während um ihn herum das absolute Chaos herrschte. Die Werkstatt sah aus wie nach einem Erdbeben, aber Mini-Wurz strahlte.
„Na gut, dicker Kater“, sagte er und kraulte Monty hinter den Ohren. „Du bist zwar ein Zerstörer, aber ein nützlicher.“
Er warf einen Blick auf den Blüten-Flitzer im Sägespäneeimer. „Mausi hatte recht. Das mit dem Bestäuben überlassen wir den Bienen.
Ich habe sowieso eine viel bessere Idee…“
Er zog eine alte Skizze aus der Mappe, auf der eine Hose aus Metallringen zu sehen war.
„Wenn wir in die Silberberge wollen, Monty, brauchen wir eine magnetische Ausrüstung!“
Er sah auf die vielen Schrauben am Boden. „Und ich glaube, ich weiß jetzt genau, wie ich die Stiefel bearbeiten muss, damit wir nicht von den Hängen rutschen.“
Monty blinzelte nur. Solange das neue Projekt wieder so schön glänzte und summte, war er bereit für das nächste Abenteuer.