Geschichte 31 – Rettet die Zitter-Zwiebeln

Geschichte 31 – Rettet die Zitter-Zwiebeln

„Es zieht“, brummte Mini-Wurz und zog seine Mütze so tief über die Ohren, dass nur noch Nasenspitze und Bartstoppeln zu sehen waren. „Ein ganz heimtückischer Hauch von der Schneetanne. Meine Zitter-Zwiebeln werden sich den Tod holen, wenn wir nicht sofort handeln!“
Mausi sah von ihrem Strickzeug auf. „Mini-Wurz, es sind Zitter-Zwiebeln. Vielleicht mögen sie Kälte?“

„Das können wir nicht mit Sicherheit wissen“, sagte Mini-Wurz. Er hatte die Zwiebeln erst im Herbst am Tauschhügel erstanden – ohne Gebrauchsanweisung.
„Ich habe eine Idee.“ Mausi rollte mit den Augen. „Bitte nicht.“

Doch Mini-Wurz war schon in der Werkstatt verschwunden und kam kurz darauf mit einer dampfenden Konstruktion aus Kupferkesseln und biegsamen Schläuchen zurück.
„Die Boden-Heizung 3.0! Mit Heißluft-Gebläse. Achtundzwanzig Grad, exakt temperiert.“
Rosie, die mit einer Tasse heißem Holundersaft am Fenster saß, sah besorgt hinaus. „Ist das nicht ein bisschen … viel?“

„Unsinn!“ Er verschwand im Garten, legte die Schläuche um das Beet und drehte entschlossen an den Ventilen. Ein tiefes Brummmmm vibrierte durch die Erde. Sie begann zu dampfen.

Kurz darauf wölbte sich der Boden. Ein kleines Würmchen tauchte auf – schweißnass.
„Ist es hier … warm?“, keuchte es.
Ein zweites erschien neben ihm. „Das fühlt sich an“, sagte es langsam, „als wären zwei Jahreszeiten übersprungen worden.“

Beide blickten zu Mini-Wurz. Dann zum kupfernen Kessel. „Hast du damit zu tun?“
Mini-Wurz nickte.
„Unsere Winterstrukturen geraten durcheinander. Das nimmt kein gutes Ende.“

Mini-Wurz schluckte. Wortlos drehte er die Ventile zu. Das Brummen erstarb, der Dampf verzog sich. Die beiden Würmchen nickten knapp und verschwanden wieder im Boden.
Mini-Wurz nahm seinen Kessel unter den Arm und stapfte, etwas geknickt, zurück ins Pilzhaus.

Doch Mausi hatte bereits gehandelt. „Vielleicht hilft dir das ja weiter“, sagte sie und hielt ein Körbchen mit winzigen, bunt gestrickten Wollschals hoch.
„Jede Zwiebel bekommt einen Schal um das Köpfchen.“
Zu dritt stülpten sie die Schals über die ersten grünen Spitzen. Genau in diesem Moment schickte die Schneetanne eine besonders kräftige Böe.

Ein eisiges Wuuuusch fegte durch den Garten. „Meine Schals!“, rief Mausi.
Die leichten Wollfäden wirbelten wie bunte Konfetti-Schlangen davon. Rosie schoss in die Höhe. „Ich hab sie! Ich … oh nein!“

Der Wind trieb sie direkt auf den ordentlichen Komposthaufen von Herrn Stachl zu.
„Nicht zu Herrn Stachl! Nach dem Blatt-Debakel mit Leody darf da kein Wollschal landen!“ Rosie fing einen roten Schal mit dem Fuß ab und schnappte sich einen blauen im Flug.
Doch ein oranger Schal segelte wie ein kleiner Fallschirm auf Herrn Stachls frisch gefegte Terrasse zu.

„Abfangen!“, rief Mini-Wurz. Rosie ging in den Sturzflug – in dem Moment öffnete sich Herrn Stachls Tür. Der Igel trat heraus, Brille auf der Nase, Notizbuch im Anschlag. „Was ist das für ein …“

Der Schal landete auf seinem Spazierstock.
Rosie hielt den Atem an. „Herr Stachl! Das … das ist …“ Der Igel betrachtete die Wolle. „Ein Schalwärmer für meinen Spazierstock? Hochwertige Maschenware. Angesichts des Frosthauchs durchaus ordnungsgemäß.“

Er machte sich eine Notiz. Mini-Wurz und Rosie atmeten erleichtert auf – bis ein weiterer Schal direkt in Herrn Stachls Gesicht landete. Mini-Wurz räusperte sich.
„Also … eigentlich … waren die Schals für meine Zitter-Zwiebeln gedacht. Rein vorsorglich.“

Herr Stachl zog sich den Schal vom Gesicht. „Zitter-Zwiebeln?“
Er klappte sein Notizbuch auf. „Vor Jahren hatte ich selbst welche. Von den Schimmerklippen. Sie freuen sich über frostigen Wind. Das Zittern lockert den Boden.“ Er sah über die Brille hinweg.
„Das wusstest du doch, Mini-Wurz?“

Mini-Wurz rückte seine Mütze zurecht. „Natürlich. Reines Experiment.“
„Aha“, sagte Herr Stachl trocken und notierte in sein Notizbuch: „Experiment beendet.“

Rosie biss sich auf die Lippe, um nicht laut loszulachen. Mausi legte Mini-Wurz tröstend eine Pfote auf den Ärmel.
„Manchmal“, murmelte sie, „reicht es, Pflanzen einfach machen zu lassen.“

Geschichte 31 – Rettet die Zitter-Zwiebeln – zweite Szene
Tipp aus dem Zaubergarten
Gerade bei neuen Pflanzen lohnt es sich, sich über Herkunft und Bedürfnisse zu informieren. Manche Arten brauchen Frost, andere Schutz – und nicht jede gute Absicht verbessert die Bedingungen. Wer unsicher ist, greift lieber zu einem leichten Schutzvlies, statt gleich eine Boden-Heizung zu konstruieren oder Wollschals zu stricken.