Mini-Wurz hatte ein kleines Beet vorbereitet, mit geraden Rändern und frisch gelockerter Erde. Mehr Platz wollte er den Erbsen nun wirklich nicht einräumen.
Die Samentüte daneben zappelte.
„Sind wir schon da?“
„Ich glaube, wir stehen.“
„Warum stehen wir?“
„Weil uns wieder keiner beachtet!“
Mini-Wurz schloss kurz die Augen. Auf der Bank hatte Brumma es sich gemütlich gemacht, den kostbaren Sempervivum-Ableger direkt neben sich.
Mausi brachte Tee und Rosie flatterte auf die Banklehne.
„Oh, du fängst schon an!“, sagte sie erfreut.
„Ich möchte es hinter mich bringen.“
Er schüttete die Erbsen in eine Schale. Sofort ging es los.
„Licht!“
„Endlich!“
„Wer hat mich geschubst?“
„Du bist gerollt.“
„Weil mich jemand geschubst hat!“
Mini-Wurz zog eine gerade Rille in die Erde und griff nach der ersten Erbse.
„Nicht so fest!“
Erschrocken lockerte er die Finger.
„Jetzt rutsche ich!“
„Dann halt dich fest“, brummte Mini-Wurz.
„Womit denn?“
Rosie prustete los. Mini-Wurz setzte die Erbse vorsichtig ab.
„Hier.“
„Hm.“
„Was heißt hm?“
„Ich dachte, es wäre größer.“
Er schaute auf das Beet, dann auf die winzige Erbse.
„Für dich reicht es.“
„Ich möchte morgens Sonne.“
„Ich lieber nachmittags“, meldete sich eine andere.
„Ich möchte neben die Kleine.“
„Ich bin nicht klein!“
Rosie hielt sich eine Hand vor den Mund. Mini-Wurz legte das Pflanzholz hin. Sehr langsam.
„Brumma.“
Die Hummel sah auf. „Ja?“
„Wie lange machen die das?“
Brumma überlegte. „Das ist unterschiedlich.“
„Bis sie keimen?“
„Nicht unbedingt.“
„Du hättest das erwähnen können.“
„Du hast nur gefragt, ob sie selten sind.“
Mausi versteckte ihr Lächeln hinter der Teetasse. Rosie rutschte von der Lehne und setzte sich neben Brumma. Das konnte noch ein wenig dauern.
Mini-Wurz räusperte sich und beugte sich wieder über die Schale.
„Gut. Neue Regel. Jeder darf sich einen Platz aussuchen. Einen einzigen. Danach wird zugedeckt.“
„Ich möchte meine Nase noch draußen haben.“
Mausi schaute lächelnd ins Beet. „Du hast doch gar keine Nase.“
„Trotzdem.“
Mini-Wurz hob die Erbse wieder heraus.
„Du kannst auch hierbleiben.“
„Wie bitte?“
„Dann lege ich dich zurück in die Tüte.“
Die Erbse lag ganz still zwischen seinen Fingern und schien zu überlegen.
„Hier ist es eigentlich ganz schön.“
„Sehr schöne Erde“, ergänzte eine andere.
Danach ging es erstaunlich schnell. Mini-Wurz setzte die letzten Erbsen auf die gewünschten Plätze, schob Erde darüber und goss. Brumma stand auf und hielt ihm das Töpfchen hin.
„Wie versprochen.“
Endlich! Mini-Wurz nahm seinen Ableger entgegen und setzte sich mit einer Tasse Tee auf die Bank. Die dunkelroten Blattspitzen leuchteten in der Sonne.
„Entschuldigung?“, sagte eine Erbse. Ihre Stimme klang durch die Erde etwas gedämpft.
Er hob langsam den Kopf. „Was denn noch?“
„Du wirfst einen Schatten auf mich.“
Mini-Wurz blickte zum Beet und rückte ein Stück zur Seite, den Topf fest in den Händen.
Brumma lächelte zufrieden.
„Siehst du? Ihr gewöhnt euch schon aneinander.“