Mini-Wurz trat mit seiner Teetasse vor das Pilzhaus. Die Sonne schien, der Besen lehnte an der Wand – nur … Moment mal. Wo war seine Gartenbank?
„Mausi! Der Garten hat meine Bank verschoben!“
Mausi steckte den Kopf aus dem Fenster.
„Nein. Das war nicht der Garten. Die hat Muffel. Er wollte die alte Haselnusshecke schneiden und hatte seine Leiter nicht dabei.“
Mini-Wurz stellte seine Tasse ab und lief zur Hecke. Dort zerkleinerte Muffel gerade die letzten kleinen Zweige, doch von der Bank war keine Spur.
„Wo ist meine Bank?“
„Dir auch einen guten Morgen … Die hat Ambrosius mitgenommen“, erklärte Muffel. „Er musste in deiner Werkstatt ans oberste Regal.“
Aha. Wieso waren alle so früh schon auf den Beinen?
Mit einem leisen Brummeln stapfte Mini-Wurz zur Werkstatt. Ambrosius war fort, die Bank auch. Nur Monty lag gemütlich im Regal und schlief.
„Hast du meine Bank gesehen?“
Monty öffnete ein Auge.
„Miau.“
„Die Asseln haben sie? Was wollen sie damit?“
„Miau.“
„Du hast nicht gefragt? Warum nicht?“
„Miau.“
„Weil es nicht deine Bank ist?“
Monty betrachtete ihn noch einmal träge und schloss das Auge. Mini-Wurz warf die Hände in die Luft und machte sich auf den Weg zur Trockenmauer.
Dort saßen die Asselkinder zwischen Blüten und bunten Bändern. Keine Bank. Dafür blickten die Asseln ihm erwartungsvoll entgegen.
„Bringst du uns den Pavillon?“
Mini-Wurz kratzte sich verwirrt an der Augenbraue.
„Ich weiß nichts von einem Pavillon. Ich suche meine Bank. Monty sagt, ihr habt sie.“
Die Asselkinder zuckten zusammen.
„Monty? Das große weiße Ungeheuer?“
„Ja, genau! Das große … Ach, egal. Wo ist meine Bank?“
„Wir wollten einen Pavillon für die Asselhochzeit“, erklärten sie. „Unseren alten hat der Wind umgeworfen. Unter deiner Bank wäre genug Platz für alle gewesen.“
„Und wo ist sie jetzt?“
„Bei Herrn Stachl. Wir konnten sie kaum tragen, und er hat gesagt, er braucht sie kurz. Außerdem sagte er, du könntest uns bestimmt einen leichteren Pavillon besorgen.“
Mini-Wurz rieb sich über die Stirn.
„Wie aufmerksam von ihm.“
Am Igelhaus empfing Herr Stachl ihn mit einem einzelnen Grashalm in der Hand. Sein Gesicht strahlte vor Triumph.
„Der hatte sich unerlaubt in meiner Dachrinne niedergelassen. Ist das zu fassen? Aber nicht mit mir!“
„Ja, ja …“, sagte Mini-Wurz abwesend und hielt nach seiner Bank Ausschau. „Eine bodenlose Frechheit der Natur!“
Herr Stachl nickte zufrieden.
„Wie schön, dass wir einer Meinung sind.“
Mini-Wurz fasste sich kurz an die Nasenwurzel.
„Und meine Bank?“
„Die brauchte Sir Hupert. Ein Schmuckband am Rosenbogen war um einen Zentimeter nach links verrutscht. Ein unerträglicher Anblick.“
„Ein Zentimeter?“
Herr Stachl nickte ernst.
„Dinge gehören an ihren vorgesehenen Platz. Da waren wir uns völlig einig. Er hatte weder dich noch Rosie gefunden, also gab ich ihm die Bank.“
Mini-Wurz holte Luft, doch der Igel war noch nicht fertig.
„Und die Asseln brauchen einen leichten Pavillon. Ich habe ihnen versichert, dass du weiterhelfen kannst.“
„Wunderbar“, brummte Mini-Wurz. „Noch etwas für meine Liste.“
Er ließ Herrn Stachl mit seinem Grashalm zurück und ging zum Rosengarten. Unter dem Rosenbogen saß Sir Hupert zufrieden an seinem Schreibtisch. Über ihm hing das Schmuckband exakt in der Mitte.
„Wo ist meine Bank?“
Sir Hupert rückte sein Monokel zurecht.
„Werter Mini-Wurz! Eine Frage ohne vorherige Begrüßung entspricht keineswegs der Etikette. Ein gepflegtes Gespräch beginnt mit: Guten Morgen, Herr Hoppenstedt. Wie geht es Ihnen?“
Mini-Wurz stöhnte.
„Guten Morgen, Herr Hoppenstedt. Wo ist meine Bank?“
Sir Hupert hob leicht das Kinn.
„Selbstverständlich längst vor deinem Pilzhaus. Die gewissenhafte Rückgabe ist das Fundament jeder Leihgabe.“
„Ach.“
„Vor einer kleinen Weile. Zudem habe ich einige Erdklumpen unter der hinteren Querstrebe entfernt. Ein bedauerlicher Zustand, der sich glücklicherweise beheben ließ.“
„Unter der Querstrebe?“
„Sauberkeit endet nicht dort, wo der Blick endet.“
Mini-Wurz bedankte sich und machte sich auf den Heimweg. Schon von Weitem sah er seine Bank vor dem Pilzhaus stehen. Darauf saßen Mausi und Rosie mit ihren Teetassen, umgeben von drei zufriedenen Katzen.
„Da bist du ja!“, rief Mausi.
Mini-Wurz betrachtete die volle Sitzfläche.
„Monty. Rutsch mal.“
„Miau.“
„Was soll das heißen, wer zu spät kommt, hat Pech gehabt? Es ist immer noch meine Bank!“