Geschichte 44 – Ein Pavillon für die Asseln

Geschichte 44 – Ein Pavillon für die Asseln

Mini-Wurz stand vor der Trockenmauer und betrachtete den Haufen aus Stöckchen und Blättern. Die Überreste des alten Asselpavillons lagen noch genauso da wie in der vergangenen Woche.
„Heute Nachmittag ist die Hochzeit“, piepste eins der Asselkinder.
„War nicht letzte Woche schon eine?“
„Ja. Aber das war eine andere.“

Mini-Wurz schaute zu den Mauerritzen, aus denen immer mehr Asseln hervorkamen. Er hatte längst aufgegeben, sie zu zählen.
„Wie oft wird hier eigentlich geheiratet?“
„Jede Woche.“
Dann musste wohl etwas Stabiles her. Hinter der Werkstatt fand Mini-Wurz ein altes Regenfass. Er legte es vor der Trockenmauer auf die Seite und sicherte es mit zwei Steinen.
„So. Dach, Wände, Eingang. Fertig.“

Die Asseln schleppten ihre Möbel hinein. Kaum stand der erste Tisch, rutschte er zur Mitte. Der zweite gleich hinterher. Eine Blumenvase kippte um.
„Die Gäste sitzen alle schief!“
Mini-Wurz klemmte kleine Holzstücke unter die Tischbeine.
„Vielleicht etwas weniger Möbel?“
„Sollen die Gäste stehen?“

Mini-Wurz brummte und zog die Tische wieder heraus.
Er schlurfte in seinen Schuppen und sah sich um. Da! Der alte Sonnenschirm.
Den brauchte er ohnehin kaum noch. Er sägte den Stiel etwas kürzer, trug ihn zur Trockenmauer und steckte ihn tief in die Erde. Stolz verschränkte er die Arme.
„Bitte sehr! Jede Menge Platz und alles steht gerade.“

Ein Windstoß fuhr unter den Schirm und hob ihn aus dem Boden. Die Asseln duckten sich. Der Schirm segelte über die Mauer und blieb in einem Baum hängen.
„Kommt der wieder?“
Mini-Wurz kratzte sich an der Augenbraue. „Ähm … Vielleicht. Wir versuchen etwas anderes.“
Er holte eine große Holzkiste aus dem Schuppen und schleifte sie vor die Trockenmauer. Langsam wurde es anstrengend. Mini-Wurz wischte sich den Schweiß von der Stirn und kippte die Kiste um, sodass die Öffnung jetzt zur Seite zeigte.

„Bitte schön. Groß, gerade und so schwer, dass sie garantiert nicht wegfliegt.“ Er rieb sich demonstrativ den Rücken.
Die Asseln verschwanden darin. Kurz darauf kamen sie wieder heraus.
„Zu dunkel.“
„Ihr mögt doch Dunkelheit!“
„Aber wir würden an diesem besonderen Tag gern das Brautpaar sehen.“

Mini-Wurz holte eine Säge und schnitt ein Loch in die Rückwand. Licht fiel auf die Tische – und ein kräftiger Luftzug gleich hinterher. Die Tischdecken flatterten, eine Assel klammerte sich an den Blumenschmuck.
„Es zieht!“
„Dann mache ich das Fenster wieder zu.“
„Dann ist es wieder dunkel.“

Mini-Wurz setzte sich auf einen Stein und überlegte. Vor ihm lagen das Regenfass und die Holzkiste, im Baum hing sein Sonnenschirm. Er hatte doch nur schnell einen Pavillon besorgen wollen.
Sein Blick fiel auf einen alten Frühbeetkasten, der etwas schief in einer Hecke stand.
Wenig später stand der Frühbeetkasten vor der Trockenmauer. Mini-Wurz hatte ihn wieder zurechtgemacht und einen kleinen Eingang in die Holzwand gesägt. Jetzt stand er fest auf dem ebenen Boden. Durch das Glasdach fiel Licht auf die Tische, und das Ganze war so robust, dass es sicher auch dem nächsten Windstoß standhielt.

Die Asseln waren begeistert und trugen ihre Möbel hinein. Nichts rutschte. Nichts wehte davon. Zufrieden wollte Mini-Wurz seinen Werkzeugkasten zuklappen.
„Und wo spielt die Kapelle?“
Er hielt inne.
„Wo hat sie denn bisher gespielt?“
Die Assel deutete auf ein morsches Stück Holz neben der Mauer.

Mini-Wurz seufzte und schaute zu seinem Funkienbeet hinüber. Das hatte er heute eigentlich vergrößern wollen. Dann sah er wieder zu den erwartungsvollen Asseln.
„Ich kümmere mich drum“, versprach er und stellte seinen Werkzeugkasten wieder ab.
Die Funkien würden noch warten müssen.

Geschichte 44 – Ein Pavillon für die Asseln – zweite Szene
✨Tipp aus dem Zaubergarten
Bevor du etwas Altes entsorgst, schau, ob es noch einen anderen Zweck erfüllen kann. Du musst ja nicht gleich einen Hochzeitssaal daraus bauen – ein ausgedienteter Topf als Kräutergarten ist auch ein guter Anfang.