Geschichte 45 – Der Kompost-Umdreh-Tag

Geschichte 45 – Der Kompost-Umdreh-Tag

Der 30. April war in Mini-Wurz’ Kalender dick unterstrichen. Einmal im Frühjahr – und zwar genau an diesem Tag – wurde der Kompost umgedreht: das Unterste nach oben, das Äußere nach innen. Ein wichtiger Tag.
Tisch und Stühle hatte er schon am Vorabend neben den Haufen gestellt. So konnten sie nach dem Frühstück gleich anfangen.
Mausi blieb mit dem Teekessel stehen. Rosie landete neben ihr und rümpfte die Nase.
„Hier sollen wir frühstücken?“

„Alles vorbereitet“, sagte Mini-Wurz zufrieden.
„Ich frühstücke ganz sicher nicht am Komposthaufen“, erklärte Mausi.
„Ich auch nicht“, sagte Rosie.
Mini-Wurz sah von einer zur anderen und seufzte ergeben.
„Na gut. Dann gehen wir in die Teelaube.“

Nach dem Frühstück war Mini-Wurz wieder am Komposthaufen und griff zu seiner Schaufel. Schon beim zweiten Stich erschien Herr Stachl und schnupperte missbilligend.
„Muss das heute sein? Der Geruch zieht direkt auf meine Terrasse.“
„Kompost-Umdreh-Tag“, erklärte Mini-Wurz knapp. „Steht im Kalender.“
Herr Stachl wollte gerade etwas erwidern, da entdeckte er einen Holzstab zwischen den Blättern.
„Moment! Ist das meine Beetmarkierung?“

Er kam näher und zog den Stab aus der Erde.
„Tatsächlich. Das ist sie.“ Er hielt das kleine Stöckchen wie einen Schatz nach oben. Von der Beschriftung war nichts mehr zu erkennen. „Da muss noch eine zweite sein. Vielleicht findest du sie auch noch.“
Er ließ sich auf einen Stuhl am Tisch sinken. Mausi brachte den Tee und schenkte auch Herrn Stachl eine Tasse ein.
Mini-Wurz schaufelte weiter, kam aber nicht weit.

„Stopp!“, rief Mausi und kam näher an den Komposthaufen heran. „Das da sieht aus wie mein Kräuterlöffel! Den habe ich überall gesucht!“
Sie deutete auf einen verdreckten Stiel, der aus dem Kompost ragte.
„Wahrscheinlich ist er mit den Kräuterabfällen hier gelandet.“ Mini-Wurz zog den Löffel aus der Erde und betrachtete das verdreckte Ding, bevor er ihn an Mausi weiterreichte.
Rosie schaute nun ebenfalls interessiert zum Haufen.
„Vielleicht findest du ja auch mein rosa Band. Ich glaube, es war noch an meinem Herbststrauß.“

Mini-Wurz zog einen verwelkten, zerfledderten Strauß aus dem Kompost.
„Meinst du den?“
Herr Stachl betrachtete die braune Schleife.
„Besonders rosa sieht das Band nicht aus.“
Rosie warf dem Strauß einen angewiderten Blick zu und räusperte sich verlegen.
„Ähm … Vielleicht brauche ich es doch nicht mehr …“

Mini-Wurz legte den Strauß zur Seite und schaufelte weiter. Da vernahm er eine laute Stimme.
„Was machst du da, mein Junge?“
Mini-Wurz schloss kurz die Augen. Ambrosius! Konnte man denn nicht mal in Ruhe seinen Kompost umschaufeln?
Herr Stachl begrüßte Ambrosius höflich.
„Es ist der 30. April“, erklärte er, als würde das alles erklären.

„Vielleicht solltest du eine kurze Pause machen“, sagte Mausi zu Mini-Wurz und schenkte allen Tee nach.
Mini-Wurz stützte sich auf die Schaufel.
„Eine ausgezeichnete Idee.“
„Aber schau bitte erst noch in der Ecke dort“, warf Herr Stachl ein. „Da könnte meine zweite Markierung liegen.“

Mit einem lautlosen Flügelschlag landete Dr. Celestine Alva von Funkelstein neben dem Tisch.
„Guten Tag, ihr Lieben. Ich kam gerade zufällig vorbei und wurde auf ein interessantes Funkeln aufmerksam.“
Sie wandte sich neugierig dem Komposthaufen zu, pickte einen silbernen Knopf auf und betrachtete ihn mit sichtlichem Wohlgefallen.
„Ach! Mein Knopf!“, rief Ambrosius. „Den suche ich ja schon ewig.“

Die Elster kniff die Augen zusammen.
„Bist du dir ganz sicher?“
„Ganz sicher. Genau der fehlt hier.“ Er zeigte auf seine Jacke.
„Wie bedauerlich … Ich meine: wie erfreulich für dich.“

Sie überreichte ihm den Knopf und machte eine scheuchende Flügelbewegung in Mini-Wurz’ Richtung.
„Grab weiter!“
Mini-Wurz schaute in die Runde. Alle schauten ihn erwartungsvoll an, als wäre hier eine echte Schatzsuche im Gang.
Er seufzte und schnappte sich die Schaufel.

Als der Kompost endlich umgesetzt war, hatten sie noch zwei Löffel, ein paar von Rosies Glitzersteinen und Herrn Stachls zweite Beetmarkierung gefunden. Eine kleine Messingschnalle hatte Celestine für sich beansprucht. Sie war zwar kein silberner Knopf, glänzte nach ausgiebigem Polieren aber durchaus zufriedenstellend.
Mausi hatte frischen Tee und Gebäck geholt. Nun saßen sie doch alle am Komposthaufen.
„Ein ausgesprochen schöner Tag“, sagte Ambrosius gut gelaunt.
Mini-Wurz wischte sich den Schweiß von der Stirn und setzte sich schwer auf den letzten freien Stuhl.

„Nächstes Jahr mache ich ein Fest daraus. Mit Einladungen.“
„Oh, wie schön!“, freute sich Rosie.
Mini-Wurz nahm sich ein Stück Gebäck.
„Und auf jeder steht: Bitte eine Schaufel mitbringen!“

Geschichte 45 – Der Kompost-Umdreh-Tag – zweite Szene
✨Tipp aus dem Zaubergarten
Gemeinsame Gartenarbeit geht schneller, wenn jeder eine Aufgabe übernimmt. Tee einschenken zählt natürlich auch – aber wenn fünf Leute die Teepause betreuen, fehlt vielleicht doch jemand an der Schaufel.