Geschichte 48 – Der Herrenausflug, Teil 3

Geschichte 48 – Der Herrenausflug, Teil 3

Am Morgen saß Mini-Wurz auf den Stufen der Vergessenen Veranda und hielt seine Teetasse mit beiden Händen fest.
Quoril streckte sich ausgiebig.
„Gut geschlafen?“
Mini-Wurz sah ihn an.
„Ich auch nicht gleich“, sagte Quoril gemütlich. „Das Meer war so schön.“
Mini-Wurz öffnete den Mund, schloss ihn wieder und trank einen Schluck Tee.

Zum Frühstück packten sie die letzten Brote und Apfelringe aus. Über dem Meer lag ein heller Streifen Morgensonne. Ambrosius lehnte sich gegen einen Pfosten und atmete zufrieden die frische Luft ein.
„Hier sollten wir öfter herkommen.“
Herr Stachl nickte.
„Eine ausgezeichnete Unterkunft.“
„Ein wenig mehr Abstand zwischen den Schlafplätzen wäre allerdings wünschenswert“, ergänzte Sir Hupert.

„Vor allem zwischen mir und deiner Abendweise“, murmelte Mini-Wurz.
Sir Hupert strich seine Serviette glatt.
„Ich könnte mich künftig auf drei Strophen beschränken.“
Mini-Wurz nahm einen langen Schluck Tee.

Nach dem Frühstück holte Herr Stachl seine Bürste hervor und wollte gerade den Zeltboden säubern, als Ambrosius abwinkte.
„Das ist nicht nötig. Sobald es wieder ein Taschentuch ist, schüttle ich es einfach aus.“
Herr Stachl hielt inne und betrachtete die Krümel.
„Dann bitte nicht in meine Richtung.“

Malo zählte inzwischen seine Schokoladentafeln.
„Das müsste gerade noch für den Rückweg reichen.“
Muffel schaute in den Rucksack.
„Der ist noch halb voll. Und wir sind heute Abend wieder zu Hause.“
„Sag ich doch. Gerade noch.“

Als alles verstaut war, zog Ambrosius am Stoffzipfel neben dem Eingang. Das Zelt fiel weich in sich zusammen, schrumpfte und lag schließlich als Taschentuch in seiner Hand.
Mick beugte sich interessiert vor.
„Erstaunlich.“
Ambrosius steckte es ein.
„Und ausgesprochen praktisch.“

Sie machten sich auf den Rückweg. Am Moossee vorbei wollten sie zu Ambrosius’ Hütte im Blütenhain. Mini-Wurz freute sich auf diesen Teil der Reise. Seinen alten Freund Moosbart hatte er viel zu lange nicht besucht.
Als der Gnom sie kommen sah, winkte er von seiner kleinen Höhle aus.
„Mini-Wurz! Na endlich!“
Die beiden umarmten sich herzlich. Mini-Wurz klopfte seinem Freund auf den Rücken und betrachtete dessen grünen Bart.

„Der ist ja noch dichter geworden.“
„Gut gewachsen dieses Frühjahr.“ Moosbart schaute an ihm vorbei auf die Wanderer. „Und du bringst gleich Besuch mit!“
„Der hat sich unterwegs angesammelt“, erklärte Mini-Wurz.
Nach der Begrüßung deutete Moosbart auf die weite, samtgrüne Fläche vor seiner Höhle.
„Wie wäre es mit einem Moosbad? Ihr habt sicher müde Beine.“

Im Moossee glitzerte kein Wasser. Er bestand aus dichtem, warmem Moos, das sanft nachgab und einen weich umschloss. Mini-Wurz setzte sofort seinen Rucksack ab.
Sir Hupert prüfte den Rand mit seinem Zeremonienstock.
„Ich werde mich auf ein Fußbad beschränken.“
„Das sagen viele“, meinte Moosbart und ließ sich neben Mini-Wurz ins Grün sinken.

Wenig später stand dem Grashüpfer das Moos bereits bis zu den Knien. Herr Stachl war tiefer eingesunken und lächelte zufrieden.
„Eine bemerkenswert angenehme Einrichtung.“
Malo tastete vorsichtig neben sich.
„Wenn mir hier Schokolade herunterfällt, finde ich die wieder?“
„Wahrscheinlich nicht“, sagte Moosbart.
Malo steckte die Tafel zurück in seine Brusttasche.

Mini-Wurz ließ sich zurücksinken. Die Wärme kroch ihm wohlig durch die Beine, und endlich wurde es still um ihn.
„Noch fünf Minuten“, murmelte er.
Aus den fünf Minuten wurde eine Stunde.
Als Ambrosius zum Aufbruch rief, wollte Mini-Wurz einen Fuß heben. Der Fuß blieb, wo er war. Er zog kräftiger und sank auf der anderen Seite tiefer ein.

„Ach. Das hatte ich vergessen.“
Moosbart öffnete neben ihm ein Auge.
„Dass es so gemütlich ist?“
Mini-Wurz blickte sich um. Mittlerweile lagen alle mehr oder weniger im Moos und hatten Probleme, herauszukommen.

Mick hatte es auf die Füße geschafft und streckte Muffel eine Hand hin.
„Halt dich fest.“
Muffel hielt sich fest. Mick zog, verlor das Gleichgewicht und plumpste neben ihn. Nun steckten beide bis zum Bauch im Moos.
Muffel betrachtete ihn.
„War das so geplant?“
„Nicht ganz.“

Sir Hupert richtete sich so gerade wie möglich auf, während er immer weiter im Moos versank.
„Meine Herren. Ich bitte darum, Ruhe zu bewahren.“
„Du wirst immer kleiner“, stellte Malo fest.
„Meine Körpergröße ist unverändert. Lediglich mein Standort bedarf einer Korrektur.“
Dabei versuchte er, einen Fuß freizuziehen. Das Moos schloss sich weich um seinen Frack.

Quoril lehnte sich gemütlich zurück.
„Wir könnten auch noch ein wenig bleiben.“
„Du vielleicht“, brummte Mini-Wurz. „Moosbart! Wir brauchen Hilfe.“
Der Gnom stützte sich auf die Hände, drehte sich auf den Bauch und krabbelte mühelos ans Ufer.

Herr Stachl schaute ihm nach.
„Wie hast du das gemacht?“
„Jahrelange Übung!“
Moosbart holte ein langes Brett aus seiner Höhle und schob es zu ihnen hinüber.
„Darauf abstützen. Die Füße langsam lösen. Je mehr ihr strampelt, desto länger bleibt ihr.“

Mit vorsichtigem Ziehen und Schieben gelangten sie nach und nach zum Rand. Sir Hupert wartete mit erhobenem Kinn, obwohl nur noch seine Schultern aus dem Grün ragten.
„Meinen Zylinder bitte zuerst.“
Malo nahm ihn entgegen. Dann halfen sie dem Grashüpfer heraus. Zwischen seinem Kragen und dem Frack steckte ein üppiger Moosbüschel.
Herr Stachl öffnete den Mund, überlegte kurz und griff lieber nach seiner Bürste.

Schließlich standen alle wieder auf festem Boden. Mini-Wurz sammelte seinen Rucksack ein, Mick klopfte Muffel Moos vom Rücken, und Sir Hupert setzte seinen Zylinder auf.
„Besten Dank, Herr Moosbart. Ein überaus wohltuender Aufenthalt.“
Moosbart schmunzelte. Und als Ambrosius ihn einlud, noch bis zur Wurz-Hütte mitzukommen, holte er einen kleinen Beutel aus seiner Höhle.
Mini-Wurz wartete auf seinen Freund. Gemeinsam folgten sie den anderen in Richtung Blütenhain.

„Beim nächsten Mal bleibst du länger“, sagte Moosbart.
Mini-Wurz zog einen letzten grünen Büschel aus seinem Ärmel.
„Das entscheidet hier offenbar das Moos.“
Fortsetzung folgt …

Geschichte 48 – Der Herrenausflug, Teil 3 – zweite Szene
✨Tipp aus dem Zaubergarten
Plane nach einer anstrengenden Woche ruhig eine gemütliche Pause ein. Falls daraus statt fünf Minuten eine ganze Stunde wird, brauchst du kein schlechtes Gewissen zu haben – solange du anschließend ohne Brett und sieben Helfer wieder hochkommst.