Zwischen den hohen Blumen des Blütenhains wurde der Weg schmaler. Mini-Wurz schob eine Margerite zur Seite und ließ die anderen passieren. Herr Stachl und Sir Hupert gingen noch immer nebeneinander, dicht gefolgt von den drei Maulwürfen.
„Mausi und Rosie warten sicher schon auf uns“, sagte Ambrosius.
Mini-Wurz ließ den Blick über die Wanderer schweifen.
„Hoffentlich haben sie auch genug gekocht.“
Sir Hupert versuchte, einen letzten Moosbüschel hinter seinem Kragen hervorzuziehen. Moosbart betrachtete ihn wohlwollend.
„Den könntest du eigentlich dranlassen. Der würde dort ausgezeichnet wachsen.“
„Mein Frack ist keine Grünanlage, werter Herr Moosbart.“
„Schade.“
Vor der Wurz-Hütte standen bereits ein Tisch und ein paar Stühle. Mausi stellte gerade eine Schüssel ab, Rosie legte Besteck daneben.
„Da seid ihr ja!“ Mausi schaute an Ambrosius vorbei und hob die Augenbrauen. „Huch, ihr seid aber viele!“
„Wie schön, dass es endlich jemandem auffällt“, grummelte Mini-Wurz.
Ambrosius begrüßte die beiden herzlich und öffnete die Hüttentür.
„Wir holen noch ein paar Stühle.“
Muffel und Mick trugen eine Bank herbei, Herr Stachl rückte die Sitzgelegenheiten zurecht. Malo stellte seinen Rucksack ab und betrachtete die dampfende Schüssel.
„Kann ich etwas tun?“
Mausi reichte ihm einen Stapel Teller.
„Die verteilen.“
Quoril nahm ihr die nächste schwere Schüssel ab.
„Wohin damit?“
„In die Mitte. Danke, wie aufmerksam!“
Rosie sah ihm interessiert nach. Mini-Wurz hatte sich inzwischen auf einen Stuhl gesetzt. Solange alle beschäftigt waren, würde er ganz bestimmt nicht aufstehen.
Bald saßen sie dicht gedrängt am Tisch. Mausi schöpfte Gemüse aus, Ambrosius schnitt Brot, und die Sonne schickte warmes Licht zwischen den Blüten hindurch.
„War es denn schön?“, fragte Rosie.
„Ausgesprochen“, sagte Herr Stachl. „Eine bemerkenswert bequeme Unterkunft.“
„Das Taschentuchzelt?“, fragte Mausi.
Mick nickte begeistert.
„Und morgens passt es wieder in die Westentasche.“
„Eine äußerst angenehme Übernachtung“, bestätigte Sir Hupert.
Mini-Wurz hielt beim Essen inne.
„Du hast ja auch nicht neben deiner Abendweise gelegen.“
„Sie gehört zu meiner Abendroutine.“
Mausi schmunzelte und schenkte Mini-Wurz Tee nach. Rosie betrachtete inzwischen Sir Huperts Kragen.
„Und woher kommt das Moos?“
„Wir haben auf dem Rückweg ein Moosbad genommen“, erklärte Ambrosius.
„Eine außerordentlich intensive Anwendung“, ergänzte Sir Hupert.
Malo legte sein Brot ab.
„Wir mussten ihn herausziehen.“
Rosie hielt sich eine Hand vor den Mund.
„Mit Zylinder?“
„Der wurde selbstverständlich zuerst in Sicherheit gebracht.“
Nun erzählten alle durcheinander. Mick schilderte seinen Versuch, Muffel zu helfen. Muffel erklärte, dass sie danach beide Hilfe gebraucht hatten. Herr Stachl lobte seine mitgebrachte Bürste, und Moosbart zeigte Mausi, wie man die Füße langsam aus dem Moos löste.
„Nicht strampeln“, erklärte er. „Sonst wird es ein längerer Besuch.“
Mini-Wurz nickte aus Erfahrung und nahm sich noch ein Stück Brot.
Als die Schüsseln fast leer waren und die Reisegeschichten allmählich ruhiger wurden, wandte Quoril sich an Mausi.
„Ich habe gehört, du hast bald Geburtstag. Was wünschst du dir?“
Mausi schaute zu Moosbart.
„Nach euren Erzählungen sollte ich mir vielleicht auch mal ein Moosbad gönnen. Damit meine alten Knochen wieder auf Vordermann kommen.“
„Eine so junge und reizende Maus hat das sicher noch nicht nötig“, erwiderte Quoril.
Mini-Wurz verschluckte sich kurz an seinem Tee. Mausi lachte verlegen und strich ihre Schürze glatt.
Sir Hupert richtete sich auf.
„Für die angemessene Würdigung des Geburtstagskindes stelle ich mich selbstverständlich zur Verfügung. Eine Festrede bedarf sorgfältiger Vorbereitung.“
„Wie lang wird die denn?“, fragte Mini-Wurz vorsichtig.
„Der Anlass bestimmt den Umfang.“
Rosie lächelte.
„Dann sollten wir vielleicht erst Mausi fragen, wie sie feiern möchte.“
Mausi setzte sich bequem zurecht.
„Am liebsten gemütlich. Mit gutem Essen und netter Gesellschaft.“
„Das lässt sich einrichten“, sagte Ambrosius zufrieden.
Mini-Wurz lehnte sich zurück. Seine Tasse war leer, sein Bauch angenehm voll. Irgendwo über ihm summte eine Hummel.
Als Ambrosius sich ihm zuwandte, um den nächsten Ausflug vorzuschlagen, waren Mini-Wurz’ Augen bereits geschlossen.
Mausi nahm ihm vorsichtig die Tasse aus den Händen. Rosie holte eine Decke aus der Hütte und legte sie über seine Knie.
Sir Hupert setzte zu einer Bemerkung an.
Mausi hob einen Finger.
„Psst.“
Und diesmal hielt sich sogar der Grashüpfer daran.