Geschichte 5 – Rhabarber-Ärger im Kräuterbeet

Geschichte 5 – Rhabarber-Ärger im Kräuterbeet

Mini-Wurz war früh aufgestanden.
Die Sonne lugte gerade über den Hügel, der Morgentau glitzerte – perfektes Pflanzwetter.
Mit zufriedenem Grunzen zog er seine Schubkarre quer durch den Garten und stoppte vor einem sonnigen Beet.
„Genau richtig für meinen Rhabarber“, murmelte er, griff zur Schaufel und legte los.

Kurz darauf kam Mausi mit Gießkanne und guter Laune – bis sie abrupt stehenblieb.
„Mini-Wurz! Hast du den Verstand verloren? Du hast mitten in mein Kräuterbeet gepflanzt! Die Kräuter werden nicht mehr wachsen, wenn ihnen der Rhabarber so dicht auf die Pelle rückt!“
„Ach was“, brummte Mini-Wurz. „Un-Kräuter wachsen doch auch überall. So schlimm wird’s schon nicht werden.“

„Un-Kräuter?!“ Mausi stemmte die Pfoten in die Hüften. „Das sind Thymian, Lavendel und Basilikum! Die brauchen Sonne und Platz!“
Wütend verschwand sie im Schuppen und kam mit einem Holzschild zurück, welches sie demonstrativ in die Erde steckte. Darauf stand: „Ich liebe Sonne!“

Rosie flatterte heran und betrachtete das Beet. „Mausi hat recht, Mini-Wurz. Mediterrane Kräuter mögen’s warm, sonnig und luftig. Der Rhabarber ist ihnen einfach zu wuchtig.“ „Ach, das bisschen Schatten…“, murmelte Mini-Wurz.

In der Nacht konnte Mini-Wurz nicht gut einschlafen. Schon beim Zähneputzen im Pilzhaus hatte das schlechte Gewissen an ihm genagt.
„Vielleicht war das doch keine so gute Idee …“, murmelte er in seinen Bart.

Dann wälzte er sich im Bett hin und her. Und als er endlich einschlief, tauchten sie auf: verkümmertes Basilikum, welke Lavendelstängel, winzige Thymian-Geister, die ihn anklagten: “Du hast uns ins Dunkel verbannt!“ „Warum nur, Mini-Wurz?“

Er schreckte hoch. Schweißgebadet. „Ich muss das wieder gutmachen.“ Noch vor Sonnenaufgang griff er zur Schaufel. „Ich mach das rückgängig, Mausi zuliebe.“ Doch als er in den Garten kam, blieb er stehen. Der Rhabarber stand nun am alten Zaun – weit weg vom Kräuterbeet. Und das war wieder sonnig und frei. Der veränderungsfreudige Garten war ihm zuvorgekommen.

Da kam Mausi um die Ecke, sah die Veränderung – und fiel Mini-Wurz um den Hals. „Wie schön, dass du’s eingesehen hast!“ Mini-Wurz stotterte: „Äh… ja… gern geschehen.“ Dass der Garten selbst gehandelt hatte, verriet er lieber nicht.

Später fand Rosie das Schild „Ich liebe Sonne!“ beim Regentonnen-Unterschlupf von Siggi, dem Salamander. Der blinzelte und murmelte: „Klar liebe ich die Sonne. Aber nur, wenn eine schöne dunkle Regenwolke sie verdeckt.“

Geschichte 5 – Rhabarber-Ärger im Kräuterbeet – zweite Szene
Tipp aus dem Zaubergarten
Zaubergarten verändert sich ganz von allein. In deinem Garten bist du für Veränderungen zuständig. Nicht jede Pflanze wächst überall – manche brauchen Sonne, andere Schatten. Und manchmal hilft ein bisschen Einsicht mehr als ein ganzer Spaten.