Geschichte 51 – Eine ziemlich schlechte Ausrede

Geschichte 51 – Eine ziemlich schlechte Ausrede

Mausi stellte den Teekessel auf den Tisch. Rosies Tasse stand bereit, Mini-Wurz’ ebenfalls. Nur Mini-Wurz fehlte.
Sie schaute zur Werkstatt hinüber. Die Tür war geschlossen, und auch in der Hängematte lag niemand.
„Rosie? Hast du Mini-Wurz gesehen?“
Rosie hielt mitten im Flug inne.
„Er ist unterwegs.“

„Weißt du auch, wohin?“
„Zu Brunzl. Töpfe holen.“
Mausi nickte. Rosie landete neben ihrer Tasse und rührte ausgiebig um. Dabei war noch gar kein Tee darin.
Kurz darauf kam Ambrosius durch das Gartentor.
„Guten Morgen! Ist noch eine Tasse für mich übrig?“

Mausi holte eine aus dem Pilzhaus.
„Weißt du, wann Mini-Wurz zurückkommt?“
„Vom Tauschhügel? Ach, das kann dauern.“
Rosie ließ den Löffel fallen.
Mausi stellte die Tasse ab.
„Ich dachte, er ist bei Brunzl.“

Ambrosius schaute zu Rosie. Rosie schaute in ihre leere Tasse.
„Ja“, sagte er schließlich. „Erst Brunzl. Dann Tauschhügel.“
„Oder andersherum“, ergänzte Rosie.
„Je nachdem, wie er läuft.“
„Verstehe.“

Mausi schenkte Tee ein. Neben der Bank räkelte sich Monty in der Sonne.
„Vielleicht weißt du ja, wo er hinwollte.“
Monty hob den Kopf und öffnete das Maul. Rosie war sofort neben ihm und hielt es vorsichtig zu.
„Du kriegst extra Milch, wenn du still bist“, flüsterte sie.
Monty betrachtete sie einen Moment. Dann legte er den Kopf wieder auf die Pfoten.

Mausi hob eine Augenbraue.
„Was war das denn?“
„Er weiß nichts“, erklärte Rosie hastig.
Da kamen Krümel und Krabbel den Weg entlang. Als die Käferkinder Mausi sahen, blieben beide so plötzlich stehen, dass Krabbel gegen Krümel stieß.

„Sucht ihr Mini-Wurz?“, fragte Mausi.
„Nein!“, piepste Krümel.
„Der ist doch beim Bibliotheksbaum“, sagte Krabbel.
Ambrosius nahm einen großen Schluck Tee.
„Beim Bibliotheksbaum auch noch?“ Mausi zog fragend die Augenbrauen hoch.

Krümel stupste Krabbel an. Der begann, an einem Blatt herumzuzupfen.
„Vielleicht braucht er ein Buch über Töpfe“, warf Rosie ein.
„Oder über das Tauschen“, ergänzte Ambrosius.
Mausi setzte sich.
„Hat er denn etwas zu essen mitgenommen?“

„Ja“, sagte Rosie.
„Nein“, sagte Ambrosius gleichzeitig.
Sie sahen einander an.
„Ach so … Doch, doch“, verbesserte sich Ambrosius.

„Und seine warme Jacke?“
„Nein“, sagte Rosie.
„Ja“, sagte Ambrosius.
Rosie nickte eifrig.
„Doch, die auch.“

Mausi betrachtete die beiden Käferkinder. Krümel wippte auf den Füßen, Krabbel hatte das Blatt inzwischen in winzige Stückchen gerissen.
„Dann ist er für Töpfe, Tauschen und Bücher ja bestens ausgerüstet.“
Niemand antwortete.
Mausi nahm Mini-Wurz’ Tasse vom Tisch.
„Hat sein Verschwinden zufällig etwas mit meinem Geburtstag zu tun?“

„Nein“, sagten Rosie und Ambrosius entschlossen.
„Ja“, piepsten die Käferkinder und rannten davon.
Mausi schmunzelte.
„Dann solltet ihr euch das nächste Mal vielleicht besser absprechen.“

Mit der Tasse in der Hand ging sie ins Pilzhaus.
Wo Mini-Wurz wirklich war, wusste sie zwar noch immer nicht, aber solange keine Ranke mit seiner Zipfelmütze vorbeikam, wollte sie sich vorerst keine Sorgen machen.

Geschichte 51 – Eine ziemlich schlechte Ausrede – zweite Szene
✨Tipp aus dem Zaubergarten
Bei einer gemeinsamen Überraschung sollten alle zumindest denselben Plan kennen. Sonst ist das Geburtstagskind am Ende besser informiert als das gesamte Vorbereitungsteam.