Mausi schaute ein letztes Mal in die Küche des Pilzhauses. Kein Teig wartete darauf, geknetet zu werden, kein Gemüse musste noch geschnitten werden. Zum ersten Mal an ihrem Geburtstag hatte sie nichts zu kochen. Jeder Gast würde etwas mitbringen.
Es war ein ungewohntes Gefühl.
Vor der Teelaube hatten Mini-Wurz und Rosie zusätzliche Tische und Stühle aufgestellt. Mausi ging hinüber und rückte vorsichtshalber die Tassen zurecht.
„Die stehen schon richtig“, sagte Rosie, die gerade eine Erdbeertorte auf den Tisch stellte.
„Ich wollte nur …“
„Du darfst dich setzen.“
Mausi setzte sich. Kurz darauf stand sie wieder auf, um die ersten Gäste zu begrüßen.
Herr Stachl kam mit einem Gemüsekuchen und einem Bündel Beetstecker. Auf jedem stand in seiner ordentlichen Handschrift der Name eines Krauts.
„Damit künftig keine Unklarheiten entstehen.“
Mausi bedankte sich herzlich. Mini-Wurz betrachtete den Kuchen. Die Stücke waren so gleichmäßig geschnitten, dass er unwillkürlich nach einem Lineal Ausschau hielt.
Muffel und Mick kamen mit belegten Broten und einem Paket. Malo folgte ihnen mit einer Schüssel Schokoladenkonfekt.
Im Paket lagen mehrere Dosen für Mausis getrocknete Kräuter.
„Damit deine Vorräte schön trocken bleiben“, erklärte Muffel.
Mick nahm einen Deckel ab und setzte ihn wieder auf.
„Die schließen einwandfrei.“
Malo stellte seine Schüssel neben die Brote.
„Und die hier darf ruhig offen bleiben.“ Er schnappte sich ein Stückchen Schokolade.
Rosie überreichte Mausi einen kleinen Löffelhalter, den sie mit Glitzersteinen beklebt hatte.
„Damit dein Kräuterlöffel einen festen Platz bekommt.“
„Und nicht wieder im Kompost landet“, murmelte Mini-Wurz.
Mausi lachte und betrachtete die funkelnden Steinchen.
„Den stelle ich gleich neben meine Kräuterdosen.“
Bald füllten sich die Tische. Linda brachte Kräuterquark mit und zog anschließend einen Stapel Flyer hervor. Sie legte ein paar neben die Schüssel, ein paar neben den Brotkorb und schob Mini-Wurz einen unter seine Serviette.
Er zog ihn wieder hervor.
„Ich habe noch welche.“
„Aber nicht diesen“, erklärte Linda zufrieden. „Das ist mein neues Yoga-Programm.“
Dr. Celestine Alva von Funkelstein brachte Nussplätzchen und eine silberne Zuckerdose, deren Deckel sie vor der Übergabe noch einmal mit dem Flügel polierte.
Krümel und Krabbel balancierten eine Schale Beeren zwischen sich. Ihr Gänseblümchenstrauß war ein wenig zerdrückt, aber Mausi stellte ihn sofort in eine Vase.
„Und über das andere Geschenk sagen wir nichts“, versicherte Krümel.
Krabbel nickte so heftig, dass eine Beere aus der Schale rollte.
„Überhaupt nichts.“
Mini-Wurz räusperte sich.
„Ja. Ihr seid wirklich super im Nichtssagen.“
Am Gartentor erschien Quoril. In seinen Händen glänzte eine große Zinkwanne. Dahinter kamen Ambrosius und Moosbart mit je einem prall gefüllten Sack.
„Alles Gute, liebe Mausi“, sagte Quoril. „Ich habe sie gefunden und dachte, sie könnte dir gefallen.“
Er stellte die Wanne auf den Rasen. Sie war so sorgfältig aufpoliert, dass sich die Blumen darin spiegelten.
Ambrosius und Moosbart öffneten ihre Säcke und füllten weiches, grünes Moos hinein.
Mausi schlug die Pfoten zusammen.
„Ein Moosbad für zu Hause!“
„Nicht ganz wie im Moossee“, erklärte Moosbart. „Aber eine gute Alternative, bis du mich besuchen kommst.“
Er überreichte ihr eine Einladung. Mausi umarmte ihn, dann Ambrosius und schließlich Quoril, der dabei ausgesprochen zufrieden aussah.
Mini-Wurz prüfte den Wannenrand.
„Eine ausgezeichnete Idee. Da kommt man wenigstens wieder heraus, ohne seine Würde zu verlieren.“
Sir Hupert rückte sein Monokel zurecht.
„Darf ich fragen, weshalb du bei dieser Bemerkung ausgerechnet mich ansiehst?“
„Ich habe nur festgestellt, dass der Rand schön niedrig ist.“
Linda beugte sich interessiert über das Moos.
„Darf ich einmal probeliegen?“
„Aber gern“, sagte Mausi.
Wenig später lag Linda wohlig zwischen den grünen Polstern.
„Vielleicht sollte ich im Moossee einmal eine Yogastunde anbieten.“
Mini-Wurz grinste.
„Wie könnte der Kurs wohl heißen? Tiefenentspannt bis zum Hals?“
Herr Stachl nickte.
„Eine erstaunlich genaue Beschreibung.“
Sir Hupert wandte sich dem Kuchen zu.
Als Linda sich wieder aus der Wanne geschlängelt hatte, nahmen alle an den Tischen Platz. Ambrosius schnitt sein Brot, Moosbart reichte den Pilzsalat herum, und Quorils getrocknete Wasserwurzeln fanden bei allen großen Anklang.
Rosie schenkte Schritt-und-Tritt-Tee aus.
Linda nahm einen Schluck und schloss genießerisch die Augen.
„Davon hätte ich gerne mehr. Bekomme ich einen Ableger?“
Mini-Wurz hob sofort einen Finger.
„Nur im Topf.“
Mausi lehnte sich zurück. Überall wurde gegessen und geplaudert, jemand reichte ihr noch ein Stück Gemüsekuchen, und sie musste sich um nichts kümmern.
Dann erhob sich Sir Hupert. Aus seinem Köfferchen zog er mehrere sorgfältig beschriebene Blätter.
„Meine verehrten Anwesenden. Eine Persönlichkeit wie unsere liebe Mausi lässt sich keineswegs mit wenigen beiläufigen Worten angemessen würdigen.“
Mini-Wurz betrachtete den Papierstapel. Das würde eine Weile dauern.
Vielleicht sollte er sich noch etwas Tee nachschenken…
Fortsetzung folgt …