Malo hatte sich ein weiteres Stück Schokolade geholt. Ambrosius hatte die Teekanne nachgefüllt. Und über der Teelaube war eine kleine Wolke vorbeigezogen.
Sir Hupert sprach noch immer.
„… und wo andere lediglich ein Bündel unscheinbarer Kräuter erkennen, sieht unsere liebe Mausi bereits die Grundlage einer wohltuenden Mahlzeit, eines stärkenden Tees oder einer heilenden Anwendung.“
Mausi lächelte verlegen. So viel Lob war sie nicht gewohnt.
Mini-Wurz beugte sich zu Rosie.
„Wie viele Blätter hat er noch?“
Rosie schaute vorsichtig hinüber.
„Ich glaube, noch eins …“
„Hoffentlich hat er nicht noch mehr in seinem Koffer.“
Bei diesem Gedanken zuckte sie erschrocken zusammen.
Sir Hupert würdigte nun Mausis Gastfreundschaft, ihre Geduld und ihre Fähigkeit, selbst unter schwierigen Umständen die Ruhe zu bewahren.
Mini-Wurz betrachtete seinen leeren Teller. An dieser Fähigkeit arbeitete er gerade ebenfalls.
Endlich legte der Grashüpfer die Blätter zusammen.
„Liebe Mausi. Mögen dir noch viele glückliche Jahre in unserer Mitte beschieden sein.“
Alle klatschten. Mausi stand auf und umarmte ihn.
„Danke, lieber Hupert. Das war wirklich sehr schön.“
Sir Hupert strahlte.
„Ich habe mich bemüht, das Wesentliche hervorzuheben.“
Mini-Wurz sagte lieber nichts.
Stattdessen ging er zur Werkstatt und kam mit einem Töpfchen zurück. Darin wuchs eine kleine Pflanze mit silbrig geränderten Blättern.
Krümel und Krabbel rutschten auf ihren Plätzen nach vorn.
„Jetzt dürfen wir aber“, flüsterte Krabbel.
„Noch nicht“, flüsterte Krümel zurück.
Mini-Wurz stellte den Topf vor Mausi.
„Für dich. Eine Gewürzwunsch-Pflanze.“
Mausi beugte sich darüber.
„Die wächst doch nur ganz oben im Kräutergebirge.“
„Ja.“
Sie sah ihn an.
„Du bist bis dorthin gelaufen?“
Mini-Wurz strich ein wenig Erde vom Topfrand.
„Du hattest mal gesagt, dass du gern eine hättest.“
Einen Moment lang war Mausi ganz still. Dann legte sie ihm eine Pfote auf die Hand.
„Das weißt du noch?“
„Natürlich. Ich höre gelegentlich zu.“
Rosie lächelte in ihre Teetasse.
Mausi pflückte vorsichtig ein Blatt und dachte an Zitronenmelisse. Als sie daran roch, wurden ihre Augen groß.
„Oh!“
Sie hielt es Moosbart hin. Auch er schnupperte begeistert.
Mini-Wurz erklärte, dass die Blätter das Aroma des gewünschten Krauts annahmen. Bald wurde der kleine Topf von allen Seiten betrachtet.
Malo streckte vorsichtig eine Hand aus.
„Denk an ein Kraut, Malo“, warnte Mini-Wurz. „Schokolade ist kein Kraut.“
Der Maulwurf ließ die Hand sinken. Dann hellte sich sein Gesicht auf.
„Schokominze!“, flüsterte er fast ehrfürchtig.
Mini-Wurz öffnete den Mund, überlegte kurz und schob ihm den Topf hin.
Mausi lachte.
„Dann warst du also weder bei Brunzl noch am Tauschhügel.“
Ambrosius setzte seine Tasse ab.
„Bitte entschuldige die Fehlinformationen …“
„Und beim Bibliotheksbaum auch nicht!“, rief Krabbel erleichtert.
Krümel nickte.
„Jetzt dürfen wir es sagen.“
Mausi schmunzelte.
„Dass ihr mir etwas vorflunkert, habe ich schon gemerkt. Aber dieses Geschenk hätte ich nie erraten.“
Mini-Wurz erzählte von dem schmalen Pfad ins Kräutergebirge und der Suche zwischen all den duftenden Pflanzen. Auf dem Rückweg hatte er den Topf die ganze Zeit vor sich getragen. Schließlich sollte kein Blatt geknickt werden.
„Und wir mussten eine ganze Woche still sein“, ergänzte Krümel.
„Das habt ihr toll gemacht“, sagte Mausi freundlich.
Als die letzten Teller beiseitegestellt waren, schwebten Nuala, Eleni und Sira näher. Erst erklang nur eine einzelne, zarte Stimme. Dann fügten sich die beiden anderen dazu, und ein Geburtstagslied zog leise über die Tische vor der Teelaube.
Die Gespräche verstummten. Mausis Pfote lag noch immer auf Mini-Wurz’ Hand.
Besonders Quoril hörte aufmerksam zu. Auch als die anderen schon klatschten, blieb sein Blick bei Nuala.
Später setzte sie sich neben ihn.
„Ich wusste gar nicht, dass ihr singt“, sagte er.
Nuala lächelte.
„Von deiner Hängematte aus bekommt man eben nicht alles mit.“
„Dann habe ich wohl einiges verpasst.“
„Vielleicht.“
Quoril rückte ein wenig zur Seite, damit auch ihre Schwestern Platz hatten.
Mausi betrachtete die Runde. Die Gäste waren in bester Stimmung, in der Wanne wartete das weiche Moos, und Malo roch zum dritten Mal an seinem Blatt.
Mini-Wurz lehnte sich neben ihr zurück.
„War es so gemütlich, wie du es dir gewünscht hast?“
„Genau so“, sagte Mausi und drückte seine Hand.
Sir Hupert hob seine Tasse.
„Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.“
Mini-Wurz lächelte erleichtert.
Das war ein ausgesprochen schöner Satz.