Geschichte 58 – Blüten, Bänder und ein bisschen Farbe

Geschichte 58 – Blüten, Bänder und ein bisschen Farbe

Mausi stellte den Teekessel auf den Tisch vor der Teelaube und schaute zufrieden in die Runde. Sie waren zu siebt. Rosie hatte die drei Flüsterlinge eingeladen. Frau Blütenstaub und ihre Nichte Linnea waren ebenfalls gekommen.
„Ach, endlich mal wieder ein Mädelsabend. Das wurde auch Zeit.“
Frau Blütenstaub kicherte.
„Mädels. Wie reizend.“

Rosies Blick fiel auf Linnea.
„Oh, deine Flügel sind aber heute hübsch! Letzte Woche waren sie doch blau und violett.“
Eleni schaute auf.
„Ändern sich deine Flügelfarben?“

Linnea lächelte.
„Nur, wenn ich nachhelfe.“
Sie breitete die Flügel ein wenig aus. Heute leuchteten sie in warmem Gelb und Orange.
„Eigentlich sind sie langweilig weiß. Deshalb male ich sie an. Leider hält die Farbe nie lange.“
„Ich finde Weiß gar nicht langweilig“, sagte Sira.

Frau Blütenstaub nickte.
„Das finde ich auch nicht. Deine Flügel sind ohne Farbe ebenfalls wunderschön.“
„Ich weiß, Tante“, sagte Linnea liebevoll. „Aber manchmal möchte ich eben bunt sein.“
„Das kann ich verstehen“, sagte Rosie und beobachtete Linnea, die verschiedene weiße Blütenhüte und eine ganze Farbpalette auspackte. Neugierig rückte sie näher.

„Oh, das Pink ist schön!“
„Magst du es für deinen Hut nehmen?“, fragte Linnea und legte ihr einen Pinsel hin.
Nuala, Eleni und Sira breiteten Bänder und feine Blüten aus. Mausi holte einen Korb mit weiteren Hüten, getrockneten Kräutern und Blütenschmuck dazu.
Frau Blütenstaub betrachtete die Auswahl.
„Das ist alles sehr hübsch! Aber ich bin zu alt für so einen Quatsch.“

Mausi schenkte ihr Tee ein.
„Du klingst ja fast wie Mini-Wurz. Für einen schönen Hut ist man nie zu alt, meine Liebe.“
Frau Blütenstaub nahm einen schlichten Hut aus dem Korb.
„Na ja. Vielleicht etwas Einfaches. Mit einem schlichten Band.“
„Natürlich“, sagte Mausi.

Rosie hob ihre Teetasse.
„Möge der beste Hut gewinnen!“
„Ach, es geht doch gar nicht ums Gewinnen“, sagte Nuala. „Viel schöner ist es doch, die ganzen ausgefallenen Hüte zu betrachten.“
Linnea betrachtete die blassblaue Blüte neben ihr.
„Dafür, dass du nicht gewinnen willst, hast du aber einen ziemlich schönen Blütenschmuck dabei.“

Mausi beugte sich näher. Auf den zarten Blütenblättern lag ein silbriger Schimmer.
„Die ist ja wirklich wunderschön. Woher hast du die?“
„Von Quoril.“
Eleni hielt mitten im Sortieren inne. Sira schaute zu ihrer Schwester.

Nuala strich behutsam über ein Blütenblatt.
„Die wachsen nur selten und auch nur in Brunnenschächten.“
„Und da hat er eine für dich gepflückt?“, fragte Linnea lächelnd.
„Offensichtlich“, flüsterte Nuala.
Mausi und Frau Blütenstaub schmunzelten einander über ihre Tassen hinweg zu.

„Sehr aufmerksam“, bemerkte Sira.
Nuala legte die Blüte an ihren Hut und griff nach einem passenden Band.
Bald wurde gemalt, gebunden und genäht. Rosie tupfte Pink auf die weißen Blütenblätter ihres Hutes und betrachtete zufrieden das Ergebnis.
Mausi band ein kleines Lavendelbündel an ihre Krempe. Neben ihr hielt Frau Blütenstaub ein helles Band um ihren Hut.
„So?“

Mausi legte eine Blüte daran.
„Die würde gut dazu passen.“
Frau Blütenstaub neigte den Kopf und deutete auf eine weitere Blüte auf dem Tisch.
„Zwei wären vielleicht schöner.“
Mausi reichte ihr eine zweite. Dann erzählte sie von Siggis Kräutersäckchen. Frau Blütenstaub lachte, und bald plauderten sie so angeregt, dass die Hüte fast vergessen waren.

„Soll ich dir das Band festnähen, Tante?“, fragte Linnea.
Frau Blütenstaub blinzelte kurz verwirrt.
„Ach ja. Wir wollten ja Hüte machen.“
Rosie kicherte und öffnete ihr Glitzerkästchen.

„Wo ist eigentlich Mini-Wurz?“, fragte Sira.
„Er ist in die Werkstatt geflüchtet“, sagte Mausi. „Vorsichtshalber.“
„Und seine Mütze hat er auch mitgenommen“, ergänzte Rosie. „Nicht, dass wir aus Versehen ein Schmuckstück daraus machen.“
Alle kicherten.

Als die Farbe trocken war, probierten sie ihre Kopfbedeckungen auf. Eleni und Sira halfen einander mit den Bändern, Nuala rückte ihre blaue Blüte zurecht, und Linnea bestaunte Rosies glitzernde Blüten.
Frau Blütenstaub setzte ihren Hut auf. Zwischen den hellen Blüten saßen inzwischen zwei Schleifen, und ein feiner Blütenzweig ragte über die Krempe hinaus.
Sie drehte sich zu Mausi.
„Hier vorn fehlt noch etwas.“

Mausi reichte ihr eine letzte Blüte.
„Und ich dachte, für so einen Quatsch bist du zu alt.“
Frau Blütenstaub befestigte die Blüte an ihrem Hut und lächelte zufrieden.
„Wenn man schon mitmacht, dann ordentlich.“

Geschichte 58 – Blüten, Bänder und ein bisschen Farbe – zweite Szene
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