Mini-Wurz saß auf einer Gartenbank im Zaubergarten. In seiner Hand hielt er ein zerfleddertes Funkienblatt mit großen Löchern. Seine Schultern hingen genauso schlapp wie das Blatt.
„Ein einziger Hagelschauer“, murmelte er. „Und ausgerechnet über meinem Funkienbeet. Was hat der Garten eigentlich gegen mich?“
Rosie landete sanft auf dem Gartenweg. Sie betrachtete das zerstörte Beet, dann Mini-Wurz’ trauriges Gesicht. „Das kriegen wir wieder hin! Ich kenne ein wundervolles Kräutlein, das nennt sich Heilblatt. Wenn man es richtig zubereitet, hilft es Pflanzen ganz schnell wieder auf die Blätter.“
Noch bevor Mini-Wurz etwas sagen konnte, war Rosie auch schon davon – rauf in ihr Baumhaus, in dem es nach Kräutern, Rosen und ein bisschen Magie roch. Sie mischte Blätter und Wurzeln in einen kleinen Kupfertopf, rührte, murmelte, ließ Glitzer aufsteigen und goss die dampfende Brühe am Ende vorsichtig über das beschädigte Funkienbeet.
„Morgen früh ist alles wie neu!“, sagte sie stolz.
Am nächsten Tag waren die Funkien tatsächlich nicht mehr zerschlagen. Aber auch nicht mehr ganz… friedlich. Ihre Blätter kräuselten sich, die Stiele reckten sich – und plötzlich zeigten sich kleine, zackige Zähnchen an den Blatträndern. Manche Blätter hatten sogar… Augen. Runde, grüne Knopfaugen, die Mini-Wurz fixierten.
Eine besonders große Funkie schnappte nach seiner Mütze. „Was bei allen Semperviven?!“ rief er und stolperte rückwärts. „Die sehen… lebendig aus“, flüsterte Rosie. Dann schoss sie zurück in ihr Baumhaus, um ihr Zauberbuch zu holen. „Monster“, brummte Mini-Wurz. „Meine Funkien sind zu Monstern geworden.“
Während Rosie panisch Seiten umblätterte, kam Mausi mit einer dampfenden Tasse in der Pfote um die Ecke. „Nicht für die Pflanzen“, sagte sie. „Für dich.“ Sie reichte Mini-Wurz die Tasse und setzte sich neben ihn. Er nippte daran. Kräutertee. Warm. Beruhigend.
Nach ein paar Schlucken seufzte er. „Ich hab ja noch mehr Funkien. Und diese hier…? Na ja… Funkien werfen im Herbst die Blätter ab. Vielleicht… erledigt sich der Spuk dann ganz von allein.“
Mausi nickte. „Und bis dahin halten wir sie einfach davon ab, die Bewohner des Zaubergartens zu fressen.“
Am Abend aber hatten sich die Funkien beruhigt. Ihre breiten Blätter wiegten sich sanft im Wind, ganz so, als sei nichts gewesen. Rosie tauchte vorsichtig zwischen den Stielen auf.
„Tut mir wirklich leid“, sagte sie leise. „Ich hab wohl Schnappwuchs erwischt statt Heilblatt. Zum Glück hält die Wirkung nur einen Tag.“