Geschichte 60 – Ein besonderes Muster

Geschichte 60 – Ein besonderes Muster

Mini-Wurz ging mit seiner Gießkanne am Blumenbeet entlang, als ihm eine Schachbrettblume auffiel. Ihr Kopf hing so tief, dass die Blütenblätter beinahe die Erde berührten.
Er stellte die Kanne ab und prüfte den Boden. Feucht genug.
„Was ist denn mit dir?“
„Mein Muster stimmt nicht“, heulte die Blume.

Er ging in die Hocke.
„Zeig mal.“
Langsam hob sie ihren Kopf. Mini-Wurz betrachtete die Blüte.
„Ich sehe nichts.“
„Doch, da. Genau vor deiner Nase.“

Mini-Wurz beugte sich näher.
„Wo?“
„Siehst du nicht den dunklen Fleck, der da nicht hingehört?“
Er ließ seinen Blick noch ein wenig über die Blütenblätter wandern. Und tatsächlich: Zwischen den hellen und dunklen Feldern saß ein dunkles, wo eigentlich ein helles hingehört hätte.

„Das fällt doch kaum auf.“
Ihr Blütenkopf sank wieder tiefer.
„Mir schon.“
Mini-Wurz betrachtete die Stelle aufmerksam.
„Hattest du das letztes Jahr auch schon?“

„Nein.“
„Warst du krank?“
„Nicht, dass ich wüsste.“
„Und wie fühlt sich deine Wurzel an?“
Die Blume überlegte.
„Wie eine Wurzel.“

„Ich meine, tut etwas weh?“
„Nein. Aber das Feld ist trotzdem falsch.“
Mausi kam mit ihrem Kräuterkörbchen vorbei und blieb neben Mini-Wurz stehen.
„Was ist passiert?“

Er zeigte ihr die Stelle. Mausi beugte sich darüber.
„Das dunkle Feld hier?“
„Ja“, sagte die Blume traurig. „Das sollte hell sein. Alle anderen haben ein richtiges Muster. Nur ich nicht.“
Ihr Kopf sank wieder bis zum Boden. Mausi setzte das Körbchen ab und schenkte ihr einen mitfühlenden Blick. Mini-Wurz schob vorsichtig ein Blatt zur Seite. Der Stiel war kräftig, die Blätter frisch. Auch sonst konnte er nichts entdecken, das der Blume fehlte.

„Du bist jedenfalls gesund“, sagte er. „Vielleicht ist das Muster diesmal einfach etwas anders gewachsen.“
Die Blume hob hoffnungsvoll den Kopf.
„Kann es noch richtig werden?“
Mini-Wurz zögerte.
„Von allein vermutlich nicht.“

Der Blütenkopf sank traurig zurück. Rosie, die das ganze Drama von oben beobachtet hatte, flatterte zu ihnen herunter.
„Linnea hat ihren Farbkasten dagelassen. Möchtest du, dass wir die Stelle anmalen?“
Die Blume hob vorsichtig den Kopf.
„Geht das?“
„Wir können es versuchen.“

Wenig später stand die Palette neben dem Beet. Rosie suchte einen feinen Pinsel heraus. Mausi hielt die Palette näher, und die Blume betrachtete die kleinen Farbnäpfchen.
„Was ist das?“
„Rosa“, sagte Rosie.
„Das ist schön.“

Mini-Wurz schaute auf.
„Du wolltest doch ein helles Feld.“
„Rosa ist hell.“
Rosie lächelte und tauchte den Pinsel ein. Die Blume hielt ganz still, als sie behutsam über die dunkle Stelle strich.
„So. Was meinst du?“

Die Blume drehte sich ein wenig und betrachtete das rosa Feld. Dann fiel ihr Blick wieder auf die Palette.
„Was ist das?“
„Das ist Blau“, erklärte Rosie.
„Davon hätte ich auch gern etwas. Vielleicht hier hinten.“

Mini-Wurz setzte sich auf einen Stein. Rosie malte ein blaues Feld auf die Rückseite der Blüte.
Danach gefiel ihr das Gelb, und Mausi musste die Palette mehrfach drehen, damit sie auch alle Farben sehen konnte.
Bald leuchteten zwischen den dunklen Feldern Rosa, Blau, Gelb und Orange. Die Blume reckte sich höher und half Rosie eifrig beim Aussuchen der nächsten Stelle.
Schließlich legte die Elfe den Pinsel hin.
„Jetzt bist du wirklich einzigartig.“

„Ja“, sagte die Blume glücklich. „Einzigartig schön.“
„Kann ich auch etwas Blau haben?“, fragte plötzlich eine Nachbarblüte.
„Und ich hätte gern etwas von dem Orange“, bat eine andere.
Weitere Blütenköpfe neigten sich zur Palette. Mausi rückte ihr Körbchen zur Seite, und Rosie nahm den Pinsel wieder auf.
Mini-Wurz räusperte sich und griff nach seiner Gießkanne.
„Sieht aus, als wärt ihr hier noch etwas beschäftigt. Ich gieße so lange bei den Erdbeeren weiter.“

Geschichte 60 – Ein besonderes Muster – zweite Szene
✨Tipp aus dem Zaubergarten
Nicht jede Unregelmäßigkeit muss verschwinden. Manchmal wird daraus sogar deine liebste Besonderheit. Probier das ruhig beim Malen aus – ein vermeintlich falscher Farbklecks könnte der Anfang von etwas Schönem sein.