Mini-Wurz hielt ein neues Brett an die Bank und schlug den ersten Nagel ein. Neben ihm stand Ambrosius mit den Händen in den Westentaschen.
„Das wird wieder ein schönes Plätzchen.“
„Wenn du hier festhältst“, sagte Mini-Wurz und deutete auf das Ende des Bretts, „wird es schneller schön.“
Es raschelte im Schilf. Herr Dippel, der Regenwurm, kam den Uferweg entlang.
„Guten Morgen, meine Herren. Darf ich fragen, wie lange ihr noch zu hämmern gedenkt? Man hört euch bis in meinen Salon.“
Ambrosius drehte sich um und begrüßte ihn herzlich.
„Dippel, alter Freund! Dich habe ich ja schon ewig nicht mehr gesehen.“
Herr Dippel erwiderte die Begrüßung.
„Nächste Woche wollen wir hier den Tag des Wassers begehen“, erklärte Ambrosius. „Bis dahin möchten wir die Sitzgelegenheiten auf Vordermann bringen.“
„Das mag sein“, sagte Herr Dippel und deutete auf Mini-Wurz, „aber der Lärm, den dein Neffe hier unangekündigt veranstaltet, ist trotzdem unerträglich.“
Ambrosius legte seine Hand auf Mini-Wurz’ Schulter und schmunzelte.
„Etwas Respekt bitte, Dippel. Du sprichst hier mit dem amtierenden Sieger des Hutfestes.“
Herr Dippel betrachtete die rote Mütze.
„Mit der?“
Mini-Wurz setzte den Hammer wieder an.
„Es waren besondere Umstände.“
„Ja, ja. Das Hutfest“, sagte Herr Dippel nachdenklich. „Ich hatte leider gar keine Zeit. Eine entfernte Nichte dritten Grades wird bald bei mir einziehen. Da gibt es noch einiges vorzubereiten.“
„Dann gönn dir eine Pause.“ Ambrosius deutete auf die erneuerte Sitzfläche. „Die hier ist schon fertig.“
Herr Dippel setzte sich vorsichtig. Ambrosius nahm neben ihm Platz.
Mini-Wurz schaute auf das Brett in seiner Hand.
„Die Sitzfläche ist aber auch das Einzige, was fertig ist.“
„Lass dich nicht aufhalten“, sagte Ambrosius mit einer wedelnden Handbewegung. „Wir prüfen so lange den Sitzkomfort und plaudern kurz.“
Herr Dippel nickte zufrieden und begann zu erzählen.
Mini-Wurz kniete vor der Bank.
„Die Füße und Regenwurmhinterteile bitte etwas zur Seite.“
Beide rückten sie nach links.
„Zur anderen Seite.“
Sie rückten nach rechts. Mini-Wurz schob sich dazwischen und befestigte die Querstrebe.
Über ihm erkundigte sich Ambrosius nach der Nichte. Herr Dippel erzählte von den Vorbereitungen ihres neuen Zuhauses.
Mini-Wurz ging hinter die Bank.
„Bitte nicht anlehnen. Die Rückenlehne muss noch erneuert werden.“
Ambrosius beugte sich vor. Herr Dippel ebenfalls. Ihr Gespräch führten sie trotzdem weiter.
Mini-Wurz löste die alte Lehne.
„Am besten steht ihr kurz auf.“
„Natürlich. Gleich …“, sagte Ambrosius.
Die beiden unterhielten sich ungestört weiter. Mini-Wurz wartete mit dem losen Brett in den Händen.
„Onkel.“
„Ja, mein Junge?“
„Aufstehen.“
Endlich erhoben sie sich. Ambrosius hielt die neue Lehne fest, und Mini-Wurz schlug die Nägel ein. Herr Dippel wartete höflich, bis das Hämmern verstummt war.
„So. Fertig.“ Mini-Wurz legte den Hammer beiseite.
„Ich habe dir doch gesagt, dass es zu zweit viel schneller geht“, sagte Ambrosius.
Mini-Wurz brummelte etwas in seinen Bart, während es sich die beiden schon wieder auf der Bank gemütlich machten.
„Wie ausgesprochen bequem“, lobte Herr Dippel. „Eine gelungene Arbeit.“
„Wir sollten zurück“, sagte Mini-Wurz.
Ambrosius erhob sich.
„Es war schön, euch zu sehen.“ Herr Dippel wandte sich an Ambrosius. „Unser Gespräch war ausgesprochen angenehm. Schade, dass ihr schon gehen müsst.“
„Wir kommen morgen wieder“, versicherte Ambrosius. „Es gibt noch mehr zu reparieren.“
„Dann sehen wir uns morgen. Aber …“ Herr Dippel deutete mit seinem Spazierstock auf Mini-Wurz. „Nicht wieder so laut hämmern!“
„Ja, ja“, grummelte Mini-Wurz. „Ich werde die Nägel bitten, sich leise ins Holz zu begeben.“