Geschichte 63 – Der Tag des Wassers Teil 2

Geschichte 63 – Der Tag des Wassers Teil 2

Bald saßen die Gäste mit gefüllten Tellern am Ufer, aßen Kuchen und genossen die Aussicht. Quoril und Nuala nahmen die vielen Komplimente für ihre Vorführung entgegen.
„Schau mal“, sagte Mausi zu Ambrosius.
Dicht am Ufer trieb ein Stück Rinde. Ein gelbes Blatt folgte ihm und zog langsam daran vorbei.
„Das Blatt ist schneller.“

Ambrosius beugte sich vor.
„Im Augenblick. Aber die Rinde wäre das bessere Boot.“
„Warum?“, fragte Rosie.
„Stabiler. Mehr Platz für ein Segel.“

Mini-Wurz sah von seinem Kuchenteller auf.
„Mit einem Segel kippt sie dir womöglich um.“
„Wenn man es einfach irgendwie draufsteckt, gewiss.“
„Es kommt jedenfalls auch ohne Segel voran“, bemerkte Mausi.
„Ein kleines Segel würde genügen“, meinte Dr. Celestine. „Es muss ja kein ganzes Blatt sein.“

Herr Dippel schaute zum Wasser. Herr Stachl rückte näher, und bald diskutierten immer mehr Gäste über geeignete Rindenstücke, Segel und die Befestigung eines Mastes.
Schließlich klopfte Rosie in die Hände.
„Wie wäre es damit: Jeder baut ein Boot. Wir haben dreißig Minuten Zeit und treffen uns danach wieder hier.“
Ambrosius erhob sich sofort.
„Das sollte reichen.“

Er nahm den letzten Bissen Kuchen und stellte seinen Teller ab. Ringsum wurden Tassen beiseitegeschoben. Selbst Herr Dippel stand von seiner Bank auf und betrachtete suchend den Boden.
Kurz darauf herrschte am Ufer geschäftiges Treiben. Mausi legte ein Rindenstück probeweise ins Wasser. Herr Dippel prüfte mehrere Zweige, während Quoril und Nuala nebeneinander im Gras an ihren Booten arbeiteten.
Ambrosius kam mit einer großen Rinde und mehreren Blättern zurück.
Mini-Wurz betrachtete die Auswahl.
„Willst du ein Boot bauen oder den See zudecken?“

„Ich prüfe verschiedene Möglichkeiten.“
Ambrosius setzte sich auf die Bank und befestigte einen Zweig als Mast. Mini-Wurz band zwei kleine Holzstücke mit einem biegsamen Halm zusammen.
Dr. Celestine hatte eine kleine Feder gefunden. Sie hielt sie an ihr Boot, rückte sie zurecht und nickte zufrieden.
Als Rosie alle zurückrief, kniete Ambrosius noch über seinem Segel.
„Einen Augenblick. Der Mast sitzt noch nicht ganz.“

Mini-Wurz hielt das Boot fest, während sein Onkel den Mast mit einem Grashalm sicherte.
„So“, sagte Ambrosius zufrieden.
Das Blatt daran war beinahe so groß wie das Boot selbst.
Am Ufer reihten sich die kleinen Gefährte dicht nebeneinander. Einige trugen Segel, andere bestanden aus zusammengebundenen Zweigen oder gefalteten Blättern. Herr Hoppenstedt hatte seines mit einem langen Grashalm geschmückt.

Rosie faltete den Rand ihres Blattbootes nach.
„Gewonnen hat das Boot, das am weitesten zur Mitte des Sees kommt.“
Mini-Wurz sah Quoril mit zusammengekniffenen Augen an.
„Und keine Tricks!“

Der Brunnenkobold grinste und hob sein Rindenboot.
„Ich kann auch ohne gewinnen.“
Nuala lächelte und setzte ihr Boot ebenfalls ins Wasser.
Auf Rosies Zeichen ließen alle ihre Boote los. Dann strich ein leichter Wind über den See, und die kleine Flotte setzte sich in Bewegung.

Ambrosius’ Segel spannte sich. Seine Rinde zog an den ersten Booten vorbei.
„Seht ihr?“
Das Boot neigte sich, richtete sich noch einmal auf und kippte dann langsam zur Seite. Das große Blatt lag im Wasser.
Ambrosius schwieg.

Mausi presste die Lippen zusammen. Rosie konnte sich ein Kichern nicht verkneifen.
„Es schwimmt noch“, stellte Ambrosius fest.
Die anderen Boote trieben unter lautem Anfeuern weiter hinaus. Mini-Wurz’ Holzstücke drehten sich gemächlich im Kreis. Quorils Boot hielt sich dicht neben Nualas, während Herr Stachls Rinde an beiden vorbeizog.
Noch weiter draußen schimmerte eine kleine Feder.

„Ist das meines?“, fragte Dr. Celestine.
Rosie flatterte ein Stück höher.
„Ja! Und es liegt vorn.“
Die Elster reckte sich zufrieden. Ein weiterer Windstoß erfasste die Feder, und ihr Boot vergrößerte seinen Vorsprung.

Schließlich blieb es weit draußen liegen. Keines der anderen kam noch daran vorbei.
„Damit hätten wir eine Siegerin“, verkündete Rosie.
Dr. Celestine nahm die Glückwünsche mit einem erfreuten Kopfnicken entgegen.
Quoril wartete, bis das letzte Boot zum Stillstand gekommen war.
„Darf ich jetzt?“
Die Elster nickte.

Eine sanfte Welle brachte die verstreuten Boote zurück ans Ufer. Jeder nahm sein Gefährt wieder in Empfang. Ambrosius ließ das Wasser von seinem großen Blatt tropfen.
„Nächstes Jahr machen wir ein richtiges Bootsrennen“, sagte er. „Mit genügend Zeit zum Bauen.“
Die Gäste nickten zustimmend.
Ambrosius betrachtete noch einmal sein Boot.
„Ich habe auch schon ein paar Ideen.“

Geschichte 63 – Der Tag des Wassers Teil 2 – zweite Szene
✨Tipp aus dem Zaubergarten
Probiert beim gemeinsamen Basteln aus, welche Konstruktion am besten funktioniert. Ein erster Test in einer Wasserschüssel erspart euch zwar keine nassen Finger, aber vielleicht den feierlichen Untergang beim großen Rennen.