Geschichte 67 – Das große Sportfest

Geschichte 67 – Das große Sportfest

Am Drei-Gärten-Eck raschelte, summte und schnatterte es. Die Asseln waren gemeinsam gekommen, die Käferkinder liefen bereits zwischen den Stationen herum, und die Ameisen vom Tauschhügel betrachteten interessiert die bereitgelegten Weidenringe.
Das Rosenkäfer-Sportkomitee hatte an einem langen Tisch Platz genommen. Vor den Mitgliedern lagen die Listen für die Ergebnisse der einzelnen Disziplinen.
Mini-Wurz prüfte ein letztes Mal die Gießkannen. Ambrosius stand neben ihm.
Rosa Rumpelblatt trat vor die versammelten Gäste. Ihr Schreiber wartete mit gezücktem Stift neben ihr.

„Nach dem bedauerlichen Ausfall im vergangenen Jahr freue ich mich, euch zum unbestrittenen Höhepunkt dieses Gartenjahres begrüßen zu dürfen.“
Mini-Wurz sah zu Mausi.
„Wir hatten auch schon ganz schöne Tage ohne Schleim.“
„Sechs Disziplinen“, fuhr die Präsidentin fort. „Jeweils höchstens zehn Punkte. Wer am Ende die meisten gesammelt hat, gewinnt. Und nun wünsche ich euch einen sportlich würdigen Wettbewerb.“

An der Gießkannenstaffel wurde es sofort lebhaft. Wasser schwappte über Schuhe und Füße, während die Teilnehmer von Kanne zu Kanne liefen.
Emma brauchte lange, brachte aber fast das gesamte Wasser zum Ziel.
Als Ambrosius antrat, war der Boden bereits ziemlich matschig. Er kam zügig voran, goss zweimal um und eilte zur letzten Kanne. Dort rutschte er aus. Seine Füße glitten nach vorn, die Kanne flog zur Seite, und das Wasser ergoss sich über die Wiese.
Mini-Wurz war sofort bei ihm.
„Alles in Ordnung?“

Ambrosius lachte und nickte.
„Nur etwas feucht.“
Mini-Wurz half ihm auf.
„Kein Wasser mehr. Und das Ziel hast du auch nicht erreicht. Das sind leider null Punkte.“

Er betrachtete die Kanne im Gras.
„Vielleicht einen für die Showeinlage?“
Herr Stachl schüttelte den Kopf.
„Diese Form der Bewertung ist nicht vorgesehen.“

Auf der Schleimmatte glänzte inzwischen eine dicke Schicht. Der Nacktschneckentrupp glitt nacheinander über die ganze Bahn und landete zufrieden im Grashaufen. Volle Punktzahl.
Die Käferkinder rutschten mit lautem „Juchu!“ hinterher. Sie kamen nicht ganz bis zum Ende, standen aber strahlend wieder auf und rannten zu Mini-Wurz.
„Kannst du die Matte später im Zaubergarten aufstellen?“
Er betrachtete ihre schleimigen Bäuche.
„Das besprecht ihr zuerst mit euren Eltern.“

Beim Blätter-Gang schritt Sir Hupert mit erhobenem Kopf voraus und erklärte die Aufgabe. Dann war Leody an der Reihe.
Der Grashüpfer wollte ihr das sorgfältig ausgewählte Blatt auf den Kopf legen. Doch die Katze schnappte es und rannte davon.
Herr Stachl sah ihr nach.
„Das ist so nicht vorgesehen.“

Er trug null Punkte ein. Leody schien das wenig zu kümmern. Ein Stück weiter tollte sie übermütig mit ihrem Blatt herum.
Sir Hupert seufzte.
„Der Jugend fehlt es bisweilen an Ehrgeiz.“
Am Hindernisparcours waren die Asseln kaum zu bremsen. Monty verschwand ebenfalls flink im Tunnel. Dann geschah nichts mehr.

Ambrosius beugte sich hinunter.
„Monty?“
Ein zufriedenes Schnarchen antwortete ihm.
Mini-Wurz starrte in die Öffnung.
„Du machst jetzt ein Nickerchen? Hier?“
Vor dem Parcours bildete sich eine immer längere Schlange. Erst Rosie gelang es schließlich, Monty mit einem Schälchen Milch herauszulocken.

Beim Teigrollen nahm Gundula Archivaria ihre Portion zunächst genau in Augenschein. Sie roch daran, probierte einen Krümel und wandte sich an Mausi.
„Dürfte ich das Rezept haben? Ich arbeite gerade an einem neuen Kochbuch. Was lässt sich daraus backen? Und wie lange muss es in den Ofen?“
Muffel wartete hinter ihr.
„Möchtest du den Teig vielleicht auch noch rollen?“

Die Eule sah ihn ruhig an.
„Einen Augenblick, bitte.“
Sie hob ihre Flügel, ließ sie einige Male über den Teig gleiten und formte eine gleichmäßige Rolle, die von einem Tischende zum anderen reichte.
Muffel stand mit offenem Mund daneben.
Mini-Wurz und Herr Stachl mussten ihre Maßbänder hintereinander anlegen.

Mausi lächelte.
„Komm doch einmal auf einen Tee vorbei. Dann können wir uns in Ruhe über Rezepte austauschen.“
Muffels eigener Versuch war weniger erfolgreich. Als er fertig war, klebten Teigkrümel an ihm, am Tisch und sogar hinter seinen Ohren.
Beim Ringewerfen nahm Rumpelblatt einen der nachgebesserten Weidenringe. Ihr erster Wurf blieb schräg an einem Pflock hängen.

„Der müsste zählen.“
Rosie beugte sich vor.
„Er muss ganz über den Pflock.“
Alle warteten. Der Ring kippte langsam nach außen und fiel ins Gras.

Die Präsidentin straffte die Schultern.
„Dann eben der zweite.“
Diesmal traf sie.
Die Rosenkäfer rechneten die Punkte zusammen und berieten sich kurz. Währenddessen lag Monty wieder im Tunnel. Leody saß auf ihrem Blatt, die Käferkinder zupften Gras aus dem Schleim an ihren Bäuchen, und Gundula notierte Mausis Backzeiten.

Rumpelblatt bat zur Siegerehrung und nahm die Ergebnisliste entgegen.
„Emma und Dr. Celestine haben dieselbe Punktzahl. Da nur eine Goldmedaille vorhanden ist, wird ein Stechen erforderlich.“
Die Elster betrachtete die Auszeichnungen.
„Das ist nicht nötig. Gold passt überhaupt nicht zu meiner Sammlung. Ich hätte ohnehin viel lieber die silberne.“

Rumpelblatt hielt kurz inne.
„Wenn du ausdrücklich darauf bestehst.“
Celestine nickte zufrieden.
Emma nahm unter kräftigem Beifall die Goldmedaille entgegen. Die Elster ließ sich Silber umlegen und betrachtete es von allen Seiten.

Dann ging die Präsidentin zu den Ameisen.
„Der dritte Platz geht an Red vom Tauschhügel.“
Sie trat vor eine Ameise und hob die Bronzemedaille.
Die Ameise räusperte sich.
„Ich bin Ted.“

„Verzeihung.“
Rumpelblatt trat vor die Ameise daneben. Diese zeigte schweigend auf ihren Nachbarn.
Der Schreiber beugte sich über seine Liste. Schließlich bekam Red seine Medaille.
Ambrosius zeigte Mini-Wurz seine Punkteliste.

„Sechs Disziplinen. Überall dasselbe Ergebnis.“
Mini-Wurz betrachtete die Nullen.
„Das muss dir erst einmal jemand nachmachen.“

Geschichte 67 – Das große Sportfest – zweite Szene
✨Tipp aus dem Zaubergarten
Plant beim Spielen auch Platz fürs Lachen ein. Nicht jeder gewinnt eine Medaille, aber eine denkwürdige Showeinlage bleibt manchmal länger in Erinnerung als die Punktzahl.