Brumma Summ beugte sich über das Beet mit den Plappererbsen und drückte vorsichtig eine pralle Schote zwischen den Fingern.
„Es ist Zeit.“
Mini-Wurz stellte seine Gießkanne ab.
„Für die Ernte?“
Brumma nickte.
„Die waren erstaunlich pflegeleicht“, sagte er. „Seit dem Einpflanzen haben sie kein Wort mehr geredet.“
Brumma schmunzelte.
„Das wird sich gleich ändern.“
Mini-Wurz pflückte die erste Schote. Kaum hielt er sie in der Hand, bewegte sich etwas darin.
„Es ist heiß hier drin!“
„Und eng!“
„Könnte bitte jemand aufmachen?“
Mini-Wurz betrachtete die Schote. Dann sah er zu Brumma.
„Du hättest mich vorwarnen können.“
„Das habe ich gerade getan.“
Mausi und Rosie kamen mit einem Korb herüber. Gemeinsam pflückten sie die übrigen Schoten. Bald wurde im Korb geraschelt, geruckelt und durcheinandergeredet.
Rosie öffnete die erste Schote.
„Ah!“, sagte eine Erbse. „Luft.“
Mausi hielt eine Schüssel darunter und strich die Erbsen vorsichtig hinein.
„Aua! Doch nicht einfach fallen lassen! Das tut weh!“
Mausi entschuldigte sich.
Mini-Wurz griff nach der nächsten Schote.
„Das wurde auch Zeit! Weißt du, wie stickig es hier drin ist?“
Mini-Wurz hob die Augenbrauen.
„Reden die in der Suppe eigentlich auch noch?“
Brumma hielt erschrocken inne.
In der Schüssel wurde es still.
„Suppe?“, fragte schließlich eine dünne Stimme.
„Das sind besondere Erbsen“, sagte Brumma empört. „Die kommen doch nicht in die Suppe!“
„Es war ein Scherz“, versicherte Mini-Wurz.
Rosie schob die Schüssel ein Stück von ihm weg.
„Ein ziemlich schlechter.“
Mini-Wurz öffnete vorsichtig die nächste Schote.
„Ich will nicht in die Suppe!“, sagte eine Erbse ängstlich.
Er schüttelte den Kopf und ließ sie zu den anderen in die Schüssel kullern. Mausi und Rosie arbeiteten neben ihm weiter. Bald waren alle Schoten geöffnet, wobei Mini-Wurz gelegentlich noch einmal versichern musste, dass niemand gekocht wurde.
„Ich nehme die Ernte mit“, sagte Brumma. „Ein paar solltest du aber behalten, über den Winter trocknen und im nächsten Frühjahr wieder aussäen.“
Mini-Wurz sah sie entsetzt an.
„Ich soll sie noch einmal aussäen?“
Brumma nickte.
„Und über den ganzen Winter hier behalten?“
Brumma nickte erneut.
„Die plappern doch bis zum Frühjahr durch!“
„Ich wollte schon immer mal in einem Pilzhaus wohnen“, meldete sich eine Erbse. „Wir sind auch ganz leise.“
„Sprich bitte nur für dich!“, rief eine andere.
Mini-Wurz deutete auf die Schüssel.
„Du hörst es.“
Brumma lächelte.
„Zehn würden genügen.“
Er betrachtete die Erbsen eine Weile. Dann legte er die leeren Schoten zusammen.
„Bekomme ich dafür wieder ein schönes Sempervivum?“
Brumma schmunzelte.
„Vielleicht.“
Mini-Wurz zählte zehn Erbsen in einen flachen Karton. Dann hielt er nachdenklich inne.
„Vielleicht könnte ich doch noch fünf weitere gebrauchen.“
Brumma schaute überrascht auf.
„Wofür?“
„Als Weihnachtsgeschenk.“
Rosie hob den Kopf.
„Für wen?“
Mini-Wurz lächelte.
„Das wird nicht verraten.“
Mausi legte fünf weitere Erbsen zu den anderen. Nachdem Brumma mit den Körbchen davongezogen war, trugen sie den Karton ins Pilzhaus.
Mini-Wurz stellte ihn ins oberste Regal.
„So. Hier könnt ihr in Ruhe trocknen.“
Er hatte sich kaum umgedreht, da meldete sich eine Erbse.
„Hier sehen wir nichts.“
„Ihr sollt trocknen.“
Eine zweite Stimme mischte sich ein.
„Am Fenster könnten wir auch trocknen.“
Mausi verbarg ihr Lächeln hinter der Hand.
„Sie haben recht.“
Mini-Wurz blieb vor dem Regal stehen.
„Einen Fensterplatz gibt es nur für gutes und vor allem stilles Benehmen.“
Im Karton wurde es ruhig.
Mini-Wurz stellte ihn auf die Fensterbank und wandte sich zufrieden ab.
Kaum war er durch die Tür, flüsterte eine Erbse:
„Sind wir schon lange genug still?“