Geschichte 70 – Gut versteckt ist halb gefunden

Geschichte 70 – Gut versteckt ist halb gefunden

Mini-Wurz schlüpfte in seinen Arbeitshandschuh und hielt inne.
Etwas Hartes drückte gegen seine Finger.
Er zog die Hand wieder heraus, drehte den Handschuh um und schüttelte ihn. Eine Haselnuss fiel auf den Tisch.
„Mausi?“
„Ich war’s nicht“, kam es aus der Küche.

„Du weißt doch noch gar nicht, was ich fragen wollte.“
Mausi erschien in der Tür. In ihrer Hand lagen drei weitere Nüsse.
„Doch. Ich wollte gerade den Topf für die Suppe nehmen.“
Mini-Wurz betrachtete ihre Funde.
„Vielleicht hat Ambrosius …“

Da klopfte es am Fenster. Rosie schwebte davor und hielt eine Haselnuss hoch.
„Die lag unter meinem Kopfkissen.“
Mini-Wurz ging zur Tür. Als er in seine Stiefel schlüpfte, knirschte es unter seinen Zehen.
Er blieb stehen.
„Das wird langsam seltsam.“

Draußen klapperte es.
Fiete, das Eichhörnchen, saß neben der Gießkanne und versuchte, eine Haselnuss in deren Ausguss zu schieben. Sein buschiger Schwanz wippte bei jeder Bewegung.
„Ein bisschen noch“, murmelte er.
Mini-Wurz öffnete die Tür.
„Fiete?“

Das Eichhörnchen schaute auf.
„Guten Morgen!“
Mausi hielt ihm die Nüsse hin.
„Sind die von dir?“

Fiete strahlte.
„Ihr habt sie schon gefunden! Hm. Das ging schnell.“
„Warum versteckst du Nüsse in unseren Sachen?“, fragte Mini-Wurz.
Fiete ließ die Gießkanne los und setzte sich auf die Hinterpfoten.
„Wisst ihr noch, wie sorgfältig und unauffällig ich im vergangenen Herbst meine Nüsse versteckt habe?“

Mausi lächelte.
„So unauffällig, dass du sie nicht wiedergefunden hast.“
Mini-Wurz nickte.
„Ich erinnere mich. Wir haben tagelang gesucht.“
„Deshalb mache ich es dieses Jahr anders. Du brauchst ständig deine Handschuhe. Mausi kocht jeden Tag. Rosie geht abends schlafen. Und irgendwann muss auch wieder gegossen werden.“

Mausi blickte zur Gießkanne.
„Du versteckst deine Nüsse dort, wo sie auf alle Fälle gefunden werden?“
„Genau. Und wenn ihr eine findet, sagt ihr mir Bescheid.“
Mini-Wurz legte seine Haselnuss zu den anderen.
„Dann wären wir jetzt so weit.“

Fiete sammelte sie zufrieden ein. Rosie reichte ihm auch ihren Fund.
„Wo hast du denn noch welche untergebracht?“, fragte Mausi.
Das Eichhörnchen kratzte sich an der Stirn. Es schaute zur Teelaube, dann zum Pilzhaus.
„Das habe ich vergessen.“

Mini-Wurz sah ihn an.
„Aber ihr findet sie bestimmt“, fügte Fiete zuversichtlich hinzu.
Während Mini-Wurz seinen Stiefel ausleerte, holte Mausi eine flache Holzkiste aus der Vorratskammer.
„Die kannst du für deine Nüsse nehmen. Neben der Werkstatt wäre noch Platz. Dort stehen sie trocken und unter einem Dach.“

Fiete betrachtete die Kiste.
„Alles an derselben Stelle? Das ist nicht besonders einfallsreich.“
„Vielleicht nicht“, sagte Mini-Wurz. „Aber wenigstens weißt du dann, wo deine Vorräte sind.“
Sie stellten die Kiste neben die Werkstatt. Fiete legte die gefundenen Nüsse hinein und prüfte den Platz.
„Hier komme ich jeden Tag vorbei.“

„Wir auch“, sagte Mini-Wurz. „Und wir müssen deine Vorräte nicht erst aus unseren Sachen holen.“
Fiete setzte sich auf den Kistenrand.
„Das ist eigentlich eine sehr gute Lösung. Und falls ihr noch Nüsse findet, legt ihr sie einfach hier hinein.“
Mini-Wurz zog seine Handschuhe an. Diesmal passten alle Finger hinein.
„So machen wir es.“

Mausi ging zurück ins Pilzhaus. Kurz darauf steckte sie den Kopf wieder zur Tür heraus.
„Fiete? In meiner Teetasse liegt auch noch eine.“
Das Eichhörnchen nickte erfreut.
„Siehst du? Dieses Jahr geht keine verloren.“

Geschichte 70 – Gut versteckt ist halb gefunden – zweite Szene
✨Tipp aus dem Zaubergarten
Gib Dingen, die du häufig suchst, einen festen Platz. Das klingt wenig einfallsreich, spart aber Zeit – und du musst niemanden bitten, täglich seine Stiefel nach deinen Vorräten zu durchsuchen.