Zwischen dem Kräuter-Gebirge und dem Spiegelsee liegt eine weite, terrassierte Senke – die Kompost-Schlucht.
Von oben wirkt sie ruhig und unscheinbar, doch wer sich hinunterwagt, erkennt, dass hier mehr geschieht, als man auf den ersten Blick sieht.
Ein leises Dampfen liegt über dem Boden, und in den Windströmungen tanzen Blätter, trockene Halme und manchmal ein überreifes Stück Obst, das irgendwo in Horvi losgelassen wurde.
Niemand weiß, wann die Schlucht entstanden ist.
Man sagt, der Wind habe seit Anbeginn alles hierher getragen, was er fand: Laub, Blüten, Gräser, Früchte.
Ein natürlicher Sammelplatz für das, was vergeht – und wiederkehrt.
Denn in Horvi verrottet nichts nutzlos.
🪱 Bewohner der Tiefe
Die Kompost-Schlucht ist voller Leben – auch wenn man es kaum sieht.
Zwischen den Blättern und Resten bewegen sich zahllose kleine Helfer: Käfer, Spinnen, Springschwänze und Larven, die das Alte zerkleinern, bis nur noch Erde bleibt.
All diese unscheinbaren Aufräumer sorgen dafür, dass sich die Schlucht niemals mit Laub füllt.
Jeder trägt seinen Teil dazu bei, dass der Boden weich bleibt und neues Leben daraus wachsen kann.
Mausi sagt, ohne sie würde Horvi bald im Blättermeer versinken – und sie hat vermutlich recht.
🍂 Die Alten von unten
Der Boden der Schlucht bleibt erstaunlich gleichmäßig.
Er „arbeitet“, wie Mini-Wurz sagt – und das ist wörtlich zu verstehen.
Denn tief darunter lebt die Schlucht-Dynastie, ein weit verzweigtes Geschlecht von Kompostwürmern, das seit unzähligen Generationen den Boden umwälzt.
Ganz am Grund wohnen die Alten von unten – das erste und älteste bekannte Wurmpaar Horvis.
Man erzählt sich, sie hätten so viele Nachkommen gezeugt, dass heute alle Kompostwürmer in Horvi von ihnen abstammen.
Einige ihrer Nachfahren leben inzwischen im Zaubergarten, tief im Kompost hinter Mini-Wurz’ Pilzhaus.
Ob es Neffen, Cousins oder Ur-Enkel der Alten sind, weiß keiner – die Verwandtschaftsverhältnisse unter Würmern gelten als sagenhaft kompliziert.
„Die Alten von unten wissen, was guter Boden braucht.“
🌿 Ein fruchtbarer Ort
Rund um die Schlucht ist der Boden dunkel, locker und so nährstoffreich, dass Pflanzen dort üppiger wachsen als anderswo in Horvi.
Zwischen Farnen, Moospolstern und wilden Kräutern sprießen Farben und Düfte, die man sonst kaum findet.
Mausi kommt regelmäßig her, um seltene Kräuter zu sammeln, die nur hier gedeihen – sie sagt, der Aufwand lohne sich jedes Mal.
„Der Geruch ist es wert. Kein anderer Platz bringt so gute Kräuter hervor.“
Mini-Wurz schwört ebenfalls auf die Qualität des Komposts aus der Schlucht und holt sich dort regelmäßig Nachschub, wenn sein eigener Haufen an Grenzen stößt.
Rosie hingegen meidet den Ort, so gut sie kann.
Sie sagt, der Duft bleibe tagelang in ihren Flügeln, selbst nach drei Bädern.
Gegen den Geruch hilft nicht mal mein Rosen-Badeöl.“
🌾 Der Kreislauf von Horvi
Die Kompost-Schlucht ist kein Ort für Spaziergänge, sondern ein Ort des Wandels.
Hier endet, was oben zu viel wird – und beginnt, was unten wachsen soll.
Laub wird zu Erde, Erde wird zu Nahrung, und das Leben kehrt immer wieder zurück.
Mausi nennt es „Horvis unterirdische Vorratskammer“, Mini-Wurz einfach „die beste Quelle für Kompost weit und breit“.
Solange die Alten von unten ihre Arbeit fortsetzen, bleibt alles im Gleichgewicht.
Und wenn der Wind wieder auffrischt und Blätter durch Horvi treibt, weiß man: irgendwo in der Tiefe freuen sich ein paar fleißige Nachkommen auf Nachschub.