Östlich des Zaubergartens, gleich hinter dem Blütenhain, beginnt das Nebelmoor.
Es gehört zu den drei Mooren von Horvi – und ist eindeutig das freundlichste.
Während das Schwarze Moor wie abgestorben wirkt und das Schattenmoor selbst mutige Gartenzwerge schaudern lässt, ist das Nebelmoor eher ein Rätsel zum Durchqueren:
Inseln aus Gras, dazwischen weicher Boden, stille Wasserflächen, Nebelschwaden und sich ständig verschiebende Wege.
Man geht hinein, man kommt auch wieder heraus – nur selten dort, wo man es geplant hatte.
🗿 Die steinernen Wächter
Berühmt ist das Moor für seine drei moosbewachsenen Steinfiguren.
Dass es genau drei sind, darüber herrscht Einigkeit – doch alles andere verändert sich.
Mal stehen die Wächter dicht beieinander, als würden sie sich beraten,
dann wieder weit verstreut, als hätten sie sich gestritten.
Manchmal hebt einer mahnend den Zeigefinger, ein anderes Mal zeigt er entschlossen in die Ferne.
„Der zeigt auf mich!“, behauptet Mini-Wurz regelmäßig –
worauf Mausi antwortet: „Unsinn, der zeigt dir den Weg.“
Und Rosie flüstert: „Oder vielleicht zeigt er einfach, wo du deinen Schraubenschlüssel verloren hast.“
Manchmal trägt einer eine Gießkanne, ein anderer eine Schaufel –
und gelegentlich stecken gleich alle drei halb im Moor.
Ob diese Veränderungen Horvis Launen folgen oder eine tiefere Bedeutung haben, weiß niemand.
Manche glauben, die Wächter prüfen Reisende – andere sagen, sie langweilen sich einfach.
„Jetzt war ich schon so oft im Moor und verlauf mich immer noch regelmäßig.“
⛩️ Das Tor und die Kiste
Zwischen den Schwaden steht ein alter Steintorbogen, überwuchert von Moos.
Manche flüstern, es wäre ein Tor zu einem anderen Ort.
Mini-Wurz hat es mehrfach versucht – vorwärts, rückwärts, mit Gießkanne in der Hand, sogar auf einem Bein hüpfend – und kam stets einfach auf der anderen Seite wieder heraus.
Und dann gibt es noch die Schatzkiste, halb im Schlamm versunken.
Sie bewegt sich keinen Millimeter, egal wie sehr man daran zerrt. Wer’s versucht, bekommt keinen Schatz sondern höchstens Matschfinger.
🌫️ Rätsel im Dunst
Wie überall in Horvi gilt: Der Ort verändert sich.
Und doch bleibt das Nebelmoor verlässlich in seinem Wesen – geheimnisvoll, leise und voller Andeutungen.
Am Rand des Moors hat Linda, die Yoga-Blindschleiche, ihr Studio auf einer flachen Steinplatte eingerichtet.
„Man sieht nichts – und genau darum sieht man manchmal mehr“, sagt sie und lässt alle einmal tief durch den Nebel atmen.
Mini-Wurz meidet sie konsequent, aus Angst, sie könne ihm wieder erzählen, wie bereichernd Yoga doch für Gartenzwerge sei.
„Ich komm ja gern her – aber nur, wenn der Nebel nicht meine Flügel ruiniert.“
🧙♂️ Der Weg ins Tal der Funkien
Hinter dem Nebelmoor liegt das sagenumwobene Tal der Funkien –
und einmal im Jahr stapft Mini-Wurz hier durch, um dorthin zu gelangen.
Nicht aus Abenteuerlust, sondern aus ernstem botanischem Anlass:
Dort erscheint zu dieser Zeit vielleicht ein einzigartiger, besonders schöner Ableger – ein einziges Exemplar, das nur dann zu finden ist, wenn man zur richtigen Stunde am richtigen Ort steht.
Meist kehrt Mini-Wurz patschnass zurück, die Schuhe voller Schlamm und mindestens ein Werkzeug fehlt.
„Man darf im Moor zwar sein Werkzeug, aber nie seine Nerven verlieren.“
🌿 Fazit
Das Nebelmoor ist ein freundliches Rätsel –
mal still, mal verspielt, aber immer mit einem Hauch von Magie.
Ein Ort, an dem Statuen wandern, Nebel atmet und jeder Schritt in den Boden sinkt wie ein Gedanke, der sich nicht entscheiden kann, ob er ernst gemeint ist oder nicht.