Südlich des Nebelmoors liegt das Schwarze Moor – das dunkelste und gefährlichste der drei Moore von Horvi.
Schon der erste Schritt wirkt hier falsch, als würde der Boden leise widersprechen.
Der Nebel endet abrupt, die Luft steht still.
Dort, wo im Nachbarland noch das Quaken und Summen des Lebens zu hören ist, herrscht plötzlich nur Stille – eine Stille, die wartet.
Der Boden ist schwarz und zäh und voller Blasen.
Zerbrochene Stege ragen aus dem Morast, halb versunken, halb vergessen.
Morsche Pfähle stehen schief im Schlamm, als hätten sie sich im letzten Moment umentschieden, und abgestorbene Bäume liegen quer, wie von der Schwere des Schweigens umgedrückt.
In der Ferne erkennt man einen uralten Steinkreis, halb versunken, halb verborgen.
Mini-Wurz sagt, er habe ihn einmal gesehen – aus sicherer Entfernung.
Doch niemand wüsste, wozu er einst gedient hat.
„Nur Verrückte“, meint Mini-Wurz, „würden so weit hineingehen, um’s herauszufinden.“
„Ich glaube, das Moor wartet einfach. Auf was – das weiß es wahrscheinlich selbst nicht.“
🪦 Der Ort ohne Geduld
Viele in Horvi sagen, das Schwarze Moor habe keine Geduld –
und schon gar keine Geduld mit Besuchern, Fragen oder gar Unvorsicht.
Mini-Wurz hat noch von niemandem gehört, der sich wirklich hineingewagt hätte.
Die meisten bleiben am Rand stehen, wagen einen Blick in die dunkle Tiefe. Doch wer zu lange hinsieht, spürt, wie sich seine Gedanken verlangsamen.
🥾 Mini-Wurz und die Sache mit den Stiefeln
Natürlich ist Mini-Wurz trotzdem einmal hineingeraten – nicht mit Absicht, sondern auf dem Rückweg vom Tal der Funkien.
Im Nebelmoor hatte er sich verirrt und war ausgerechnet am Rand des Schwarzen Moors gelandet.
Kaum zwei Schritte weiter, versank er bis zu den Knien im Schlamm und konnte sich nur mit Mühe befreien.
Seine roten Gummistiefel allerdings blieben dort – und ragen bis heute als schlammbraunes Mahnmal aus dem Morast.
Seitdem erzählt Mini-Wurz jedem, der es hören will (und auch denen, die es nicht wollen), dass seine Lieblings-Stiefel heldenhaft im Dienst des Gartens gefallen sind.
Rosie und Mausi fanden die ganze Sache zwar tragisch, musste aber doch schmunzeln, als er nur mit Strümpfen bekleidet nach Hause kam.
„Das Moor hat meine Stiefel verschluckt – und ich hab das Gefühl, es kaut noch.“
🔵 Der Steinkreis im Moor
Der alte, zerfallene Steinkreis ist ein Mysterium, dass wohl nie gelöst werden wird. Wie alles in Horvi scheint er nicht an einem festen Platz zu stehen.
Seltsamerweise taucht er aber immer in Sichtweite zum Rand des Moors auf - so wolle er gesehen werden.
Manche behaupten steif und fest, in seiner Mitte schon ein bläuliches Glimmen gesehen zu haben – ein Licht, das kurz aufflackert und dann verschwindet. Andere halten das für Einbildung.
Und Mini-Wurz sagt: „Egal ob es leuchtet oder nicht – das ist einfach ein ganz schlechter Ort für ein Picknick.“
„Wenn ein Ort so still ist, dass du nicht mal mehr deine Gedanken hörst – dann geh besser nach Hause.“
🌿 Fazit
Das Schwarze Moor ist Horvis gefährlichster Ort – ein stiller, wachsamer Fleck Erde, der alles behält, was ihm zu nahe kommt.
Es ist kein Ort für Neugier oder Mutproben, sondern für das Eingeständnis, dass selbst Horvi Grenzen hat.
Und wer sie einmal übertritt, lässt meist mehr zurück als nur ein Paar Stiefel.