Nur einen Katzensprung westlich vom Zaubergarten beginnt die Sonnenstaub-Wüste – ein stilles, goldglänzendes Meer aus Sand. Bei Wind glitzert die Fläche, als hätte jemand Staub und Sonnenlicht gründlich miteinander vermischt.
Trotzdem ist es kein trostloser Ort: Von fern weht manchmal ein Lachen herüber, ein Scharren im Sand oder ein aufgeregtes „Da ist er wieder!“ – denn irgendwo in der Weite wirbelt gerade das Herz der Wüste.
Wer von dort zurückkehrt, hat fast immer etwas Unerklärliches erlebt – und mindestens ein bisschen Sand in den Schuhen. Selbst Mini-Wurz meint, man könne die Grenze zwischen Gartenboden und Wüstensand nicht erkennen, nur spüren – wie einen Luftzug, der plötzlich wärmer wird.
🌪️ Der Wirbel
Einmal am Tag erscheint mitten im Sand ein bunter, spiralförmiger Wirbel aus Licht.
Er bleibt genau 24 Stunden an einer Stelle, dann zieht er weiter – niemand weiß, wohin.
Unter ihm bildet sich jedes Mal etwas anderes:
mal eine kühle Quelle, mal ein Obsthain, mal ein ganzes Haus mit voll eingerichteten Räumen.
Alles, was dort entsteht, ist echt.
Wer etwas hinausträgt, kann es behalten – der Rest versinkt, wenn der Wirbel weiterzieht.
Deshalb gilt die Sonnenstaub-Wüste nicht als Schatzkammer, sondern als Laune Horvis.
Kein Ort lässt sich so schlecht planen – und keiner sorgt für so viele Überraschungen.
„Drei Wochen Forschung, null Erkenntnis – aber immerhin saubere Schuhe.“
🧭 Mini-Wurz und die Werkstatt
Eines Tages tauchte der Wirbel direkt an der Grenze zum Zaubergarten auf.
Darunter lag eine voll ausgestattete Werkstatt – mit glänzenden Geräten, Schrauben, Hämmern und allerlei Dingen, die Mini-Wurz sofort in den Bann zogen.
Er war so fasziniert, dass er gar nicht auf die Idee kam, eines von den Werkzeugen mitzunehmen.
Seitdem wartet er darauf, dass die Werkstatt wieder auftaucht…
Vor vielen Jahren hat er versucht, dem Geheimnis des Wirbels auf die Spur zu kommen. Drei Wochen später hatte er ganze fünfzehn Theorien und einen Sonnenbrand.
Dr. Alva, die Elster-Ärztin, erteilte ihm daraufhin ein striktes „Staubwüsten-Verbot“.
Offiziell hält er sich daran – inoffiziell sieht man ihn gelegentlich doch wieder durch den Sand stapfen, mit Notizbuch, Kompass und einer eisgekühlten Kräuter-Limonade.
📚 Rosies Abenteuer
Rosie besucht die Wüste, wann immer der Wirbel bunt genug schimmert.
Sie nennt ihn „den tanzenden Regenbogen“ und schwört, dass er leise Musik macht.
Einmal fand sie unter ihm einen alten Bücherschrank – prall gefüllt mit Liebesromanen.
Seitdem ist sie Stammgast.
Manchmal fliegt sie einfach nur über die Wüste und ruft in die Weite: „Na, was gibt’s heute Neues?“
„Ich hab versucht, ihn mit Glitzer zu bestechen – hat nicht funktioniert, aber schön war’s.“
🪴 Mausi und die Praxis
Mausi hält von Fata-Morganas nicht viel.
Sie geht nur mit, wenn jemand Trinkwasser braucht – oder weil sie hofft, dass diesmal ein Vorratsregal erscheint.
Beim letzten Ausflug kam sie tatsächlich mit einem Einmachglas zurück.
„Leer, aber stabil“, sagte sie zufrieden.
Jetzt steht es im Pilzhaus-Regal, beschriftet mit ‘Sonnenstaub, Sorte: unberechenbar‘.
„Ich sammel ja gern Dinge, aber Sand gehört nicht dazu.“
🌞 Fazit
Die Sonnenstaub-Wüste ist ein Ort der Wandlung.
Sie gibt, was sie will, und nimmt nichts zurück.
Mal liefert sie ein Abenteuer, mal einen Roman, mal nur Sonnenbrand –
doch wer sie einmal erlebt hat, versteht:
Auch in Horvi weht der Wind manchmal einfach, weil er’s kann.