Nordwestlich des Zaubergartens, direkt unterhalb des Bibliotheksbaums, liegt der Spiegelsee – der größte See weit und breit.
Seine Oberfläche ist meist spiegelglatt.
Selbst wenn der Wind darüber weht oder ein Stein ins Wasser fällt, entstehen nur sanfte Wellen.
Spritzen, Gischt oder lautes Plätschern? Fehlanzeige.
Der Spiegelsee bleibt ruhig, als würde er Bewegung einfach ignorieren.
Nur manchmal, wenn Mini-Wurz einen besonders großen Stein hineinwirft, kräuselt sich das Wasser –
nicht vor Schreck, sondern eher aus Höflichkeit.
Besonders in seiner typischen Ovalform macht der See seinem Namen alle Ehre.
Er spiegelt Himmel, Bäume und alles, was sich über ihn beugt – so klar, dass man manchmal nicht weiß, wo die Welt aufhört und das Spiegelbild beginnt.
🌊 Form und Veränderung
Meist zeigt er sich als perfektes Oval – so regelmäßig, dass man meint, er sei mit dem Zirkel gezogen.
Doch wie alles in Horvi ist auch der Spiegelsee wandelbar.
Manchmal wacht man auf, und er hat über Nacht Ausläufer gebildet, ist runder geworden oder hat sich eine Bucht zugelegt.
Selbst der Wasserfall, der gewöhnlich am fernen Ende des Sees in die Tiefe rauscht,
kann plötzlich an einer anderen Stelle erscheinen – nur um später wieder zurückzukehren.
„Wenn ein See dauernd die Form ändert, ist das keine Unordnung – das ist Charakter.“
🌿 Insel und Brücke
In seiner Mitte erhebt sich eine Insel, grün und still, wie ein Ruhepunkt im Wasser.
Mal führt eine geschwungene Holzbrücke zu ihr, mal erscheint die Brücke auf der anderen Seite, und manchmal ist sie ganz verschwunden.
Wer dort übernachten will, sollte das im Hinterkopf behalten – sonst sitzt man am Morgen fest, bis die Brücke wieder auftaucht.
Rosie könnte einfach hinüberfliegen.
Mini-Wurz brummt nur: „Durch kaltes Wasser schwimmen kommt mir nicht in die Tüte!“
Mausi nickt dazu meist verständnisvoll, zieht aber schon mal Gummistiefel an – nur für den Fall.
🪞 Die Stille des Spiegelsees
Rund um den Spiegelsee gibt es keine festen Bewohner.
Nicht, weil er gefährlich wäre – im Gegenteil, er wirkt friedlich, beinahe freundlich.
Wer ihn besucht, spürt sofort eine Ruhe, als würde der See jede Unruhe einfach aufsaugen.
Für einen Nachmittag ist das wunderbar.
Bleibt man länger, wird die Stille eigenartig.
Man sieht die Bewegungen des Wassers, doch man hört sie kaum.
Kein Gluckern, kein Rascheln – nur das leise Echo des eigenen Atems.
Viele Besucher sagen, es sei, als würde der See sie anhalten, ebenfalls still zu werden – und genau das hält kaum jemand lange aus.
🌾 Ein Ort zum Verweilen
Mini-Wurz, Mausi und Rosie kommen oft hierher – nicht zum Baden, denn dafür ist das Wasser zu kalt.
Aber sie genießen die beruhigende Wirkung.
Mini-Wurz sitzt am liebsten am Ufer, die Hände in den Taschen, und grübelt über Ordnung im Wandel nach.
Mausi sammelt Pflanzen am Rand und freut sich über den feuchten Duft, der ihr um die Nase weht.
Rosie verweilt gern auf der Brücke, wenn sie da ist, und betrachtet die Spiegelungen von ihr und dem Himmel, die ineinanderfließen.
„Ich sitz gern hier. Der See sagt nichts, ich auch nicht – und das passt wunderbar zusammen.“
🌙 Fazit
Der Spiegelsee liegt am nordwestlichen Rand der bekannten Welt – still, groß und doch vertraut.
Aber niemals langweilig. Wer hierherkommt, weiß nie, welche Form er diesmal hat
oder ob man überhaupt zur Insel hinüberkommt.
Vielleicht ist genau das sein Zauber: ein Ort, der derselbe bleibt und sich doch ständig verändert – wie ein Freund, der mal ernst schaut, mal einen Streich spielt.